Die Schweiz ist nicht besetzt. Niemand hat unsere Souveränität abgeschafft. Trotz dieser Erkenntnis müssen wir uns eine unbequeme Frage stellen: Wie unabhängig ist unser Land noch, wenn es seine Politik zunehmend danach ausrichtet, was Grossmächte erwarten?
Die Schweiz war einst stolz auf ihre Eigenständigkeit, politische Selbstbehauptung und auf ihre Neutralität. Heute ist unser Fundament brüchig, nicht weil der Bund zusammenbricht, sondern weil ein strategischer Wille fehlt.
Die Neutralität wird zur Auslegungssache gegenüber der EU, den USA, China und anderen oftmals zwielichtigen Machtzentren. Unsere Volksvertreter fragen eigentlich nicht mehr, was im Interesse der Schweiz und ihrer Bürger ist, sondern: Was können wir uns gegenüber den anderen überhaupt leisten?
Was ist der Unterschied zwischen Souveränität und Abhängigkeit? Die Schweiz ist wirtschaftlich eng mit Europa verflochten, sicherheitspolitisch sowie technologisch von einem stabilen Umfeld und internationalen Strukturen abhängig. Kooperationen sind notwendig, aber Unterwerfung nicht.
Brüssel, Washington, Peking sind nicht Bern. Eine souveräne, neutrale Schweiz muss mit allen reden und handeln, ohne einem Machtblock anzugehören. Sie braucht eine glaubwürdige, eigenständige Verteidigung. Wir benötigen wirtschaftliche und technologische Widerstandskraft und eine Neutralität, deren Regeln nicht bei jeder Krise neu erfunden werden. Neutralität ohne Wehrhaftigkeit ist Wunschdenken. Die Schweiz muss lernen, wieder Nein zu sagen, auch gegenüber Mächtigen.
Offenheit bedeutet nicht Abhängigkeit. Kooperationen bedeuten nicht Gehorsam. Neutralität bedeutet nicht Wehrlosigkeit. Wir müssen uns eines fragen: Nimmt sich die Schweiz noch ernst? Sendet das Signal, und sagt Ja zur Neutralität.
