Der Brunner SVP-Kantonsrat Alois Lüönd behauptet in seinem Leserbrief, bezahlbarer Wohnraum sei mehr politisches Wunschdenken als realistische Lösung. Doch Lüönd blendet dabei aus, dass die hohe Nachfrage nach Wohnraum kein Naturereignis, sondern das Ergebnis politischer Entscheide ist. Schwyz hat sich seit über zwanzig Jahren bewusst als Tiefsteuerkanton positioniert, um mit gezielten Steuersenkungen Menschen mit hohen Einkommen und grossen Vermögen anzulocken. Das brachte zwar gute Steuerzahler in unseren Kanton, aber da diese reichen Neuzuzüger bereit sind, auch überteuerte Wohnkosten zu zahlen, stiegen damit auch die Wohnkosten für Eigentum und Miete stark an. Die Angebotsmieten sind darum heute nach Zürich und Zug in unserem Kanton am dritthöchsten in der ganzen Schweiz!
Zudem nutzen gewisse Vermieter die Notlage der Mieterinnen und Mieter aus und vermieten ihre Liegenschaften zu unrechtmässig hohen Preisen. Gemäss Mietrecht dürfen Vermieter die Höhe der Miete nicht beliebig nach Angebot und Nachfrage festlegen, sondern müssen sich an das Prinzip der Kostenmiete halten. Der Mietzins darf lediglich die anfallenden Kosten und einen festgelegten Gewinn der Vermieterschaft decken. Leider verweigerte der Kantonsrat die Einführung der Formularpflicht, wodurch unrechtmässige Mietzinsaufschläge hätten festgestellt werden können.
Schliesslich wäre es ganz einfach, aber wichtig, dass der Kanton und die Gemeinden in den Zonenplänen und Baugesetzen Anreize schaffen, indem sie für bezahlbaren Wohnraum die Ausnützungsziffer erhöhen. Es gebe also genug Lösungsvorschläge für eine andere Wohnpolitik – es fehlt einzig der Wille. Lediglich billige Stimmungsmache und eine Ablenkung von den wirklichen Ursachen ist es, den Flüchtlingen die Schuld für die überteuerten Wohnkosten zu geben.
