Leserbrief

Pragmatismus statt Blockadehaltung

Zum Artikel «Mieterverband stellt sich gegen die Abschaffung des Eigenmietwerts» vom 29. November

Es ist schwer nachvollziehbar, warum der Nationalrat stur auf eine vollständige Abschaffung des Eigenmietwerts beharrt. Auch wenn ich persönlich diese Abschaffung befürworte, sollte offensichtlich sein, dass eine solch radikale Lösung weder in linken Kreisen noch in den Bergkantonen auf Zustimmung stösst.

Ein Referendum gegen diese Variante scheint unvermeidlich – mit dem Risiko, dass wir am Ende genau dort landen, wo wir heute stehen.

Dabei liegt die pragmatische Lösung auf der Hand: den Eigenmietwert für Erstliegenschaften abschaffen und ihn für Zweitliegenschaften beibehalten. Dieser Ansatz würde die Bergkantone zufriedenstellen, die stark von Zweitwohnungen geprägt sind, und gleichzeitig mehrheitsfähig sein. Zudem wäre für diese Lösung keine Verfassungsänderung nötig, was den politischen Prozess vereinfacht. Ein breiter Konsens ohne Referendum wäre somit greifbar.

Ebenso unverständlich ist die Haltung des Mieterverbands, der sich gegen die Abschaffung des Eigenmietwerts stellt. Wer trägt denn die durch den Eigenmietwert entstehenden Mehrkosten? Sicher nicht die Vermieter. Diese Kosten werden am Ende über höhere Mieten an die Mieter weitergereicht. Eine Abschaffung des Eigenmietwerts würde also auch Mietende entlasten – ein Punkt, den der Mieterverband offenbar ignoriert.

Statt sich in ideologischen Grabenkämpfen zu verhaken, braucht es mehr Pragmatismus und einen Fokus auf Lösungen, die für die gesamte Bevölkerung tragbar sind.

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