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Leserbrief

Paradiese und Höllen

Zum Artikel «Sonne, See und keine Bleibe» vom 9. Mai

«Schwyz ist ein Steuerparadies», hört man oft, neulich las man es auch in dieser Zeitung. Und «logisch»: Weil Schwyz ein Steuerparadies ist, muss der Kanton eine «Wohnhölle» sein, in der sich nur noch «Reiche» das Wohnen leisten können. So weit so populär, so weit so unsinnig.

Schon die Wortwahl zeigt: Hier handelt es sich um Glaubensfragen. «Paradiese», «Himmel», «Hölle» sind Begriffe aus der Religion. Und religiös verbrämt wird auch der Begriff «die Reichen» verwendet (in der biblischen Kunst durch Nadelöhre zu gehen, landen sie bekanntlich auf Rängen weit hinter den Kamelen).

Doch von himmel-höllischen Glaubensfragen zurück ins nüchterne Erdental: Natürlich haben tiefe Steuern mit Standortattraktivität zu tun. Sie sind ein Merkmal, allerdings nur ein einziges unter vielen. Sonst würden in den «Steuerhöllen» wie Genf, Basel oder Zürich schon lange keine Menschen mehr wohnen. Und schon wirds wieder sektiererisch: Mit papstwürdigem Unfehlbarkeitsanspruch wird gefordert, die Steuerparadiese sollen sich den Steuerhöllen anpassen (in unserem Kanton fehlten dazu allerdings die genügend «gerechten» Politikerinnen und Politiker). Oder dass gleich der Steuerwettbewerb – und damit der Föderalismus – abgeschafft werden soll.

Im Klartext: Die Tüchtigen, welche ihre Finanzen im Griff haben, sollen sich denjenigen anpassen, die das Geld mit voll(er)en Händen ausgeben. Nicht etwa umgekehrt. Als ob infolge höherer Steuern schon je ein Wohnparadies entstanden wäre. Und wenn dieser Zusammenhang zwischen Steuern und Wohnpreisen doch markant wäre? Läge es dann – nach dem Motto «fit statt fett» – nicht an den Hochsteuerkantonen, sich den Tüchtigen anzupassen? Die Gründe für «Steuerflucht» wären so rasch vom Tisch.