Die SVP preist ihre Nachhaltigkeitsinitiative als ökologische Rettungstat. Diese Vorlage ist reiner Etikettenschwindel. Sie lenkt von echten Umweltbelastungen ab und präsentiert wie gewohnt ihre Lieblings-Sündenböcke. Das ist nicht Nachhaltigkeit, das ist Verlogenheit.
Die grössten ökologischen Schäden und der Dichtestress entstehen nicht durch Asylsuchende, sondern durch den Tourismus. Ein einziger Flug aus den USA oder Asien verursacht bis 3 Tonnen CO₂ pro Person – mehr als ein Asylsuchender pro Jahr. Millionen solcher Reisen belasten Bergregionen, Naturflächen, Verkehr und Energieversorgung massiv. Wer Nachhaltigkeit ernst meint, muss hier ansetzen.
Demgegenüber stehen rund 25’000 Asylgesuche pro Jahr – weniger als 0,3 Prozent der Bevölkerung. Diese Menschen leben in bestehenden Unterkünften, verursachen kaum Verkehr und haben einen sehr kleinen ökologischen Fussabdruck. Sie als Umweltproblem darzustellen, widerspricht jeder wissenschaftlichen Evidenz.
Besonders widersprüchlich wird die Initiative dort, wo sie zusätzlich erwerbstätige Ausländer kontingentieren will. Also genau jene Menschen, ohne die Pflege, Gastronomie, Bau, Landwirtschaft und Tourismus nicht funktionieren würden. Ausgerechnet der Tourismus – einer der ökologisch belastendsten Sektoren – ist gleichzeitig einer der abhängigsten von ausländischen Arbeitskräften. Wer hier Kontingente verschärft, während man die Umweltfolgen des Massentourismus verschweigt, handelt nicht nachhaltig, sondern bewusst irreführend.
Diese Initiative, die die kleinsten Emissionstreiber ins Zentrum stellt und die grössten verschweigt, verdient keinen Nachhaltigkeitsanspruch. Sie verdient nur eines: klare Benennung als das, was sie ist: ein weiterer Etikettenschwindel der SVP.
