Lokale Zeitungen leisten einen wichtigen Beitrag zum demokratischen Leben. Qualitativ hochstehender und unabhängiger Journalismus kostet Geld. Der Rückgang der Einnahmen durch wegfallende Inserate ist einschneidend; viele Zeitungen sind in ihrer Existenz bedroht. Diese Ausgangslage ist mir sehr bewusst.
Der «Bote der Urschweiz» hat seine Leserbriefrichtlinien Ende Januar mit folgendem Satz ergänzt: «Leserbriefe von Nicht-Abonnentinnen und Nicht-Abonnenten werden nur in Ausnahmefällen publiziert.» Andere Schwyzer Zeitungsverlage haben gemäss eigener Recherche ebenfalls mit dieser Massnahme geliebäugelt oder halten sie für prüfenswert. Zu unser aller Glück haben sie bisher davon abgesehen.
Es ist klar festzuhalten, dass es dem «Boten» als privatem Unternehmen selbstverständlich freisteht, seine Richtlinien anzupassen. Gleichzeitig wird damit die öffentliche Meinungsvielfalt im Kanton Schwyz spürbar eingeschränkt. Denn Zeitungen werden an vielen Orten gelesen – in der Stammbeiz, im Café, bei der Arbeit – oder gezielt am Kiosk gekauft, etwa vor Abstimmungen. Gerade diese Stimmen sollen nun nicht mehr publiziert werden. Künftig können solche Leserinnen und Leser nicht mehr auf Artikel reagieren, zu denen sie eine pointierte Meinung hätten, oder vor Abstimmungen ihre Argumente öffentlich machen – und damit möglicherweise den Ausgang mitprägen.
Auch Abonnenten erhalten so nicht mehr die gesamte Bandbreite der Meinungen in der Bevölkerung, da ein Teil davon nicht mehr veröffentlicht wird. Zudem ist zu bedenken, dass sich nicht alle Menschen ein Zeitungsabo leisten können. Diese Personen verlieren damit ein wichtiges öffentliches Sprachrohr. Ich würde es begrüssen, wenn der «Bote» seine neuen Einschränkungen für Leserbriefschreibende angesichts dieser Argumente noch einmal überdenken würde.
