Leserbrief

Kontrollwahn schlägt Wildbrethygiene

Zum Artikel «Schwyzer Jäger wollen keine stinkenden Hirsche» vom 8. September

Mit grosser Faszination liest man die akademischen Ausführungen von Frau Tamara Braun zur Rotwildbejagung. Schön, dass uns die Jagdverwaltung so geduldig erklärt, wie sie die Fäden zieht. Denn genau darum geht es: nicht um Wildbiologie, sondern darum, die Jägerschaft wie Marionetten durch die Wälder zu steuern. Da schickt man die Jägerschaft und angehende Jäger in einen Wildbrethygienekurs – und dann liefert die Behörde so etwas ab!

Frau Braun betont zwar den «hohen Stellenwert» der Fleischqualität, doch die Realität straft diese Worte Lügen. Wie sonst ist es zu erklären, dass man an einer veralteten Vorweispflicht festhält, die modernen Hygienevorschriften Hohn spricht? Da erlegt ein Jäger morgens ein Tier, versorgt und kühlt es perfekt – nur um die Kühlkette abends für den behördlichen Kontrollzwang wieder zu unterbrechen.

Das sensible Fleisch wird bei den heutigen, für den Frühherbst hohen Temperaturen wieder aus der Kühlung geholt und über eine Stunde durch den Kanton kutschiert, nur damit ein Wildhüter in Schwyz seinen Stempel draufdrückt. Die weltfremde Amtsstube vergisst wohl, dass sich kein Jäger für läppische 15 Tage Jagd im Jahr einen teuren Kühlanhänger kauft!

Dazu kommt die Absurdität der Zeitplanung: Wenn die Jagd auf Stiere erst nach dem 15. September freigegeben wird, ist das Wildbret wegen der voll einsetzenden Brunft für den Konsum schlicht ungeniessbar. Aber der Verwaltung ist der stinkende Brunftgeschmack im Fleisch offenbar egal. Hauptsache, die Excel-Tabelle im Büro stimmt – ob das Naturprodukt im Abfall landet, scheint zweitrangig.

Dass Kontrollen nötig sind, bestreitet niemand. Aber diese reine Kontrollwut geht zulasten der Qualität und ist für jeden Abnehmer von einheimischem Wild fatal. Zynischer geht’s kaum.