Der Wechsel von der haushaltsbezogenen Besteuerung zur Individualbesteuerung ist überfällig. Unser heutiges Steuersystem stammt aus einer Zeit, in der das Einverdienermodell die Norm war. Diese Realität gibt es längst nicht mehr – und trotzdem bestrafen wir noch immer verheiratete Paare, die Erwerbs- und Familienarbeit fair aufteilen.
Die Individualbesteuerung sorgt für mehr Gerechtigkeit, weil jede Person unabhängig vom Zivilstand nach ihrer eigenen wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit besteuert wird. Das ist ein zentraler Schritt hin zu echter Gleichstellung: Wer mehr arbeitet, soll auch netto mehr davon haben. Gerade für Frauen lohnt sich zusätzliche Erwerbsarbeit heute oft kaum – mit langfristigen Folgen wie tieferen Renten und erhöhter Altersarmut. Ein modernes Steuermodell kann hier wirksam gegensteuern.
Zudem ist die Individualbesteuerung ein zukunftsfähiges Modell. Sie passt zu vielfältigen Lebensformen, stärkt die Eigenständigkeit und schafft bessere Anreize für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf – ein entscheidender Faktor angesichts des Arbeitskräftemangels.
Entgegen manchen Befürchtungen ist die Individualbesteuerung kein Bürokratiemonster. Mit der fortschreitenden Digitalisierung und den bereits heute elektronischen Möglichkeiten braucht es keine Heerscharen von Steuervögten auf den Ämtern. In vielen europäischen Ländern funktioniert sie längst effizient und digital. Was es braucht, ist der politische Wille, ein veraltetes System durch ein faires und zeitgemässes Modell zu ersetzen. Wer Gleichstellung ernst meint, kommt an der Individualbesteuerung nicht vorbei und legt am 8. März ein Ja in die Urne.

