Die Abstimmung in Island, ob die Regierung Verhandlungen über einen EU-Beitritt aufnehmen soll, war nicht nur dem Boten der Urschweiz nur eine kleine Randnotiz wert, sondern auch in den meisten anderen Schweizer Medien. Es scheint so, dass die Medien und die Politik von links bis zur Mitte im Zusammenhang mit den bilateralen Verträgen EU–Schweiz über die für die EU blamable Abstimmung in Island am liebsten gar nicht berichtet hätten. Interessant wäre gewesen, wie die EU-Turbos bei einer Annahme der Abstimmung geschrieben hätten.
Im ausländischen Teletext konnte man lesen, dass die EU die Absage bedauert, da Island alle Voraussetzungen für einen Beitritt zur EU erfüllen würde und auch als Nettozahler sehr willkommen gewesen wäre. Die Isländer haben entschieden, dass sie ihr Land selber verwalten wollen und nicht gewillt sind, sich einer nicht «demokratisch gewählten EU-Kommission» zu unterwerfen. Für mich ist das ein Vorbild für die Schweiz.
Die Schweiz hat mit Staaten und Handelsunionen, die die Hälfte der Weltbevölkerung vertreten, Freihandelsabkommen geschlossen. Keiner dieser Vertragspartner verlangt, dass wir deren Gesetze und Rechtsprechung übernehmen müssen. Wieso will das die EU, wieso wollen das Schweizer Bürger? Auch ein Teil der Schweizer Wirtschaftsvertreter und auch Banken sind dafür. Wieso? Die EU ist überreguliert, und wenn man in die Presse im nahen Ausland schaut, jammert der grösste Teil der Wirtschaft, vor allem die KMU, darüber. Auch die finanzielle Lage dieser Länder ist, gelinde gesagt, sehr angespannt, was auch die EU betrifft.
Schön wäre es, wenn die Redaktionen weniger ihre persönliche Meinung kundtun, sondern auch über in ihrem Sinne nicht erfreuliche Nachrichten fair und ungefiltert berichten.
