Nach dem Lesen des Zeitungsberichtes über die Schalterschliessung im Bahnhof Brunnen war ich richtig schockiert. Politiker nehmen gerne das Wort Service public in den Mund – es bleibt nur eine Worthülse. Im Tourismusort Brunnen den Schalter zu schliessen, haut dem Fass den Boden aus. Soll gespart werden, um die schon hohen Managerlöhne noch höher zu schrauben?
Ältere Personen, mit und ohne Handy, Touristen, einsame Menschen und alleinstehende Leute gehen vergessen. Viele Leute aus meinem Umfeld sind sehr enttäuscht. Die SBB versuchen den Entscheid mit fragwürdigen Zahlen zu rechtfertigen. Mir muss niemand erklären, dass nur drei Prozent der Billette in Brunnen am Schalter bezogen werden. Fast jedes Mal, wenn ich am Schalter was zu erledigen hatte, musste ich mich hinten anstellen.
Den Schalterangestellten in Brunnen möchte ich ein grosses Lob aussprechen. Sie sind sehr freundlich, nett und kompetent. Ein nettes Lächeln oder mal ein Lob oder eine humorvolle Antwort wurden von mir sehr geschätzt. Das wird weder ein Display noch eine Ticketausgabe am Automaten – mit oder ohne KI – auch nur ansatzweise hinkriegen! Der soziale Kontakt fehlt überall: bei der Bank, der Post, Grossverteilern, Gaststätten und auch bald bei öffentlichen Ämtern? Im Gegenzug muss die Bevölkerung dann Kurse besuchen für «Gesprächsführung» oder «Wie wird kommuniziert?».
Kürzlich durfte ich einer deutschen Urlauberin ihren schweren Koffer zum Bahnhof schleppen. So nebenbei sagte sie: Ich muss dann irgendwie noch einen gültigen Fahrschein bis nördlich von Stuttgart kaufen. Wo ging ich hin? Richtig: zum Schalter in Brunnen. Dort bekam sie sogar ein Sparbillet. Die Touristin war hocherfreut über den erstklassigen Service. Soll jemand behaupten, am Automaten könne man das auch.
Es würde Grösse beweisen, wenn die SBB-Verantwortlichen nochmals auf diesen diskriminierenden Entscheid zurückkommen würden.

