Harmonisierung der Lernziele?

Zum Artikel «Hier rechnen die Kinder am besten» vom 22. Mai
Leserbrief, Leserbreif

Die neue Studie zeigt schonungslos, was viele Bildungspolitiker nicht wahrhaben wollen: Die angebliche Harmonisierung der Lernziele ist ein Märchen und komplett gescheitert. In Wirklichkeit bleibt das Schweizer Bildungssystem ein Flickenteppich, der soziale Ungleichheit zementiert.

Während Graubünden, Uri und Obwalden Spitzenwerte erreichen, fallen urbane Kantone wie Basel-Stadt, Genf oder Neuenburg klar ab. Luzern landet mit 68 Prozent in Mathematik gar im Tiefstbereich. Trotzdem heisst es beschwichtigend, man sei «recht weit fortgeschritten». Das ist Schönfärberei.

Die zentrale Botschaft ist gravierend: Die soziale Herkunft entscheidet über den Bildungserfolg – nicht die Schule. Kinder aus benachteiligten Familien haben ein 3,5‑fach höheres Risiko zu scheitern. 38 Prozent erreichen nicht einmal die Mindestziele. Das ist kein Betriebsunfall, sondern ein Systemfehler.

Seit Jahren weiss man, was wirkt: frühkindliche Bildung, Sprachförderung, gute Betreuung. Doch statt verbindlicher Standards gibt es kantonale Eitelkeiten, lokale Zufallsgewinne und Pilotprojekte, die vor allem Zeit schinden. So bleibt der «Kreislauf der sozialen Vererbung» bestehen.

Wenn nichts passiert, liefert die nächste ÜGK-Erhebung wieder dieselben Schlagzeilen – und wieder dieselben Ausreden. Entscheidend ist nicht nur, ob die Kinder besser werden, sondern, ob die Politik endlich Verantwortung übernimmt.