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Leserbrief

Gleichstellung ernst nehmen

Zur Gleichstellungsumfrage und zum Artikel «Gleichstellung wird für junge Männer immer weniger wichtig» vom 27. Januar

Eine repräsentative Umfrage im Kanton Schwyz zeigt klar: Über zwei Drittel der Bevölkerung finden Gleichstellung wichtig – und genauso viele sehen weiterhin Handlungsbedarf. Das ist kein Randthema, sondern die Meinung der Mehrheit.

Trotzdem wird die Studie zerredet. Man hört, Schwyz habe eine bürgerliche Regierung gewählt, das wiege schwerer als Umfrageergebnisse. Diese Haltung ist bequem, aber falsch. Demokratie bedeutet auch, zuzuhören, wenn viele Menschen sagen: Es reicht noch nicht. Ja, bald sitzen 23 Frauen im Kantonsrat. Das ist ein Fortschritt. Aber Gleichstellung misst sich auch an Strukturen. Und diese bleiben männlich geprägt. Ein aktuelles Beispiel liefert die Firma Triner: Der neu zusammengesetzte Verwaltungsrat ist rein männlich. Offenbar ist man dort der Meinung, Führung funktioniere auch 2026 noch ganz ohne Frauen.

Auch im Alltag zeigt sich die Ungleichheit: Frauen verdienen in der Schweiz im Schnitt rund 16 Prozent weniger als Männer. Selbst wenn Ausbildung, Beruf und Funktion berücksichtigt werden, bleibt ein unerklärbarer Lohnunterschied von rund 7 bis 8 Prozent. Dazu kommt der Mangel an Kinderbetreuungsplätzen und Schwierigkeiten bei Teilzeitarbeit junger Eltern – ein Problem, das vor allem Frauen bremst. Und statt diese Themen anzugehen, wird darüber diskutiert, ob Frauen in Gesetzen überhaupt noch erwähnt werden sollen. Das sagt viel über die Prioritäten.

Also, liebe Frauen (und liebe Männer, die an Gleichberechtigung glauben): Seid nicht zufrieden mit halben Fortschritten. Seid laut, fordert ein, kandidiert – für Gemeinde, Bezirk, Kanton. Gleichstellung ist kein Luxus, sondern ein demokratisches und gesellschaftliches Grundrecht. Gleichstellung ist kein Geschenk. Sie ist ein Recht. Und sie ist im Kanton Schwyz noch nicht erreicht.