Leserbrief

Fuss- und Veloweg: Materialisierung

Zum Artikel «Das Volk hat das letzte Wort beim 36-Millionen-Veloweg» vom 22. Oktober

Der Kantonsrat hat der Velo- und Fussverbindung Biberbrugg-Chaltenboden mit 64 zu 28 Stimmen zugestimmt, nun kommt das Geschäft vors Volk, was meines Erachtens in Anbetracht der Kosten und der hitzigen Diskussion zu begrüssen ist.

Mit Blick auf die Abstimmung ist es mir als Vertreter der metallverarbeitenden Branche aber ein grosses Anliegen, die von den Medien bereits aufgenommene Kritik an der Materialwahl zu entkräften. Denn wenn eine Konstruktion aus wetterfestem Stahl als «Rosthaufen» abgetan wird, verrät dies wenig über das Projekt, dafür einiges über fehlende Materialkenntnis. Wer sich etwas erkundigt, beispielsweise beim Stahlbau Zentrum Schweiz, versteht schnell, dass wetterfester Stahl (auch «Corten») eine überaus nachhaltige und dauerhafte Lösung ist. Durch seine spezielle Legierung bildet sich bei wechselnder Befeuchtung und Abtrocknung nämlich eine fest haftende, schützende Oxidschicht. Diese erschwert den Zutritt von Sauerstoff und verlangsamt den Korrosionsabtrag erheblich. Ebendiese Schutzschicht zeigt sich als braune Färbung.

Selbstredend verlangen Feuchtigkeit und Streusalzbelastung wie bei jeder Materialisierung besondere Aufmerksamkeit. Aber genau dafür gibt es konstruktive Regeln. Fachgerecht geplant, ausgeführt und unterhalten sind solche Stahlkonstruktionen äusserst langlebig, ersparen Schutzanstriche und reduzieren den Unterhalt. Ein aktuelles Corten-Beispiel ist der mit dem Prix Acier 2026 ausgezeichnete Halbanschluss Bellinzona Zentrum.

In der politischen Debatte erscheint es mir daher ratsam, die konstruktiven und metallurgischen Themen den dafür zuständigen Fachleuten zu überlassen. Zu diskutieren gibt es bei diesem Projekt auch sonst sicher genug.