Der Zuger Kantonsrat behauptet allen Ernstes, Frühfranzösisch halte die Schweiz zusammen. Das ist politisches Wunschdenken, kein pädagogischer Befund. Kein einziges Kind in der fünften Klasse trägt zum nationalen Zusammenhalt bei, weil es «je m’appelle Léa» aufsagen kann. Was Frühfranzösisch tatsächlich zusammenhält, ist ein System, das sich weigert, Fehler zu korrigieren.
Die Realität ist brutal einfach: Frühfranzösisch überfordert Kinder. Es überfordert Lehrpersonen. Es überfordert sogar die Politik, die seit Jahren versucht, das Fach schönzureden, statt die Fakten anzuerkennen. Der fehlende Alltagsbezug ist nicht ein kleines Problem, er ist das strukturelle Todesurteil dieses Fachs. Wer mit Englisch täglich konfrontiert ist, aber Französisch nur im Schulzimmer künstlich eingetrichtert bekommt, verliert zwangsläufig Motivation und Lernerfolg.
Trotzdem wird im Kantonsrat so getan, als sei Frühfranzösisch ein patriotischer Auftrag. Das ist keine Bildungspolitik, das ist Symbolpolitik. Und wenn der Bund nun sogar einen «Französisch-Befehl» bereithält, um ein ineffektives Fach zu schützen, zeigt das nur eines: Man verteidigt ein Ritual, nicht eine Kompetenz.
Frühfranzösisch stärkt die Schweiz nicht. Es schwächt die Schule. Und es belastet die Kinder, die längst begriffen haben, was die Politik nicht wahrhaben will: Dieses Fach bringt ihnen kaum etwas.

