Leserbrief

Falsche Extremismusvorwürfe

Zum Leserbrief «Die rote Linie» vom 16. Oktober

Kai Reichmuth spricht mich in seinem Leserbrief persönlich an und kritisiert, ich hätte die Junge Tat geduldet. Ich lehne rechtsextreme und linksextreme Gewalt ebenso ab wie antidemokratische Ideologien.

Deshalb stelle ich klar: Die Kundgebung des Aktionsbündnisses Urkantone «Nein zur unkontrollierten Einwanderung von falschen Flüchtlingen» fand am 28. September 2024 statt. Es gab keinen Grund, Teilnehmer auszuschliessen. Alle waren friedlich und anständig. Die Duldung friedlicher Teilnahme ist nicht mit der Unterstützung einer Ideologie gleichzusetzen.

Bemerkenswert: Reichmuth fordert quasi, bestimmte Teilnehmer müssten aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu einer bestimmten politischen Gruppierung ausgeschlossen werden. Dies würde gegen das Diskriminierungsverbot verstossen.

Fakten zu Extremismus: Der Lagebericht «Sicherheit Schweiz 2025» des Nachrichtendienstes des Bundes zeigt eine klare Statistik. In allen erfassten Jahren seit 2016 liegt die Zahl gewaltsamer Ereignisse im linksextremistischen Bereich massiv höher. 2023: zwei gewaltsame Ereignisse von Rechtsextremen, 53 von Linksextremen. 2024: ein einziges von Rechtsextremen, 60 von Linksextremen!

Die Zahlen sprechen für sich. Kai Reichmuth versucht, vom eigentlichen Problem des Extremismus in der Schweiz abzulenken. Wenn er sich wirklich gegen gewaltsamen Extremismus einsetzen will, soll er sich für dessen Bekämpfung da einsetzen, wo mit grossem Abstand am meisten Gewalt herrührt.

Reichmuth darf meine Haltung kritisieren. Aber aus der Teilnahme einzelner Personen lässt sich nicht ableiten, dass der Veranstalter deren politischen Überzeugungen teilt. Eine faire Debatte beurteilt Menschen nach ihren eigenen Aussagen und Handlungen – nicht allein danach, wer ebenfalls an einer Kundgebung erscheint.