Leserbrief

Evaluieren ja, aber

Zum Leserbrief «Mehr Hochschule, bessere Lehrer?» vom 22. Oktober

Ja, evaluieren bis zum Gehtnichtmehr! Dass diese Tätigkeit in unseren Bildungsstäben einen hohen Stellenwert hat – wer kann das noch bezweifeln? Und dieser Stellenwert hat ja auch seine Richtigkeit. Es ist ein berechtigtes Anliegen des Stimmbürgers, dass auch die Schularbeit der Lehrkräfte beurteilt wird.

Die Einsiedler Pädagogin Cäcilia Gmür und der Schriftsteller Franco Supino haben gewiss recht, wenn sie die Evaluationen nicht grundsätzlich verteufeln. Sie haben aber auch recht, wenn sie den wunden Punkt im Übertreiben sehen. Denn vor lauter Evaluieren könnte ja auch das Entscheidende vergessen werden.

Die Prüfungstheorien betonen schon lange, dass verlässliche Prüfungen leicht zu korrigieren sind, weil sie genau das abfragen, was scheinbar klar ist; und man kann das schön brav lernen. Nur: Geprüft wird so nicht wirklich die eigentliche (Sprach-)Kompetenz, sondern Faktenwissen – also nur die notwendige, nicht die hinreichende Bedingung, auf die es später ankommt.

Ein typisches Beispiel ist der Aufsatzunterricht: Da kann man schön brav die Fehler zusammenzählen, aber das Entscheidende bleibt im Pfefferland, nämlich Fragen wie: Ist der Aufbau klar? Oder auch die Textabsicht? Stellen die Kandidaten die Zusammenhänge deutlich genug klar? Sind die Begriffe genau? Macht die Rechtschreibung einen einladenden Eindruck?