Leserbrief

Ernährungsinitiative Nein

Zur Abstimmung über die Ernährungsinitiative vom 27. September
Leserbrief Leserbriefe

Die Ernährungsinitiative klingt mit Begriffen wie «sichere Ernährung», Nachhaltigkeit und sauberem Trinkwasser zunächst sympathisch. Doch entscheidend ist nicht der Titel, sondern was die Initiative in der Praxis bedeuten würde. Sie verlangt unter anderem, den Netto-Selbstversorgungsgrad innert zehn Jahren auf mindestens 70 Prozent zu erhöhen und die Lebensmittelproduktion stärker auf pflanzliche Lebensmittel auszurichten.

Bemerkenswert ist deshalb das aussergewöhnlich deutliche Urteil des Parlaments. In der Schlussabstimmung empfahlen Nationalrat und Ständerat die Initiative mit 194 zu 0 beziehungsweise 44 zu 0 Stimmen zur Ablehnung. Wenn eine Vorlage über die politischen Lager hinweg auf derart geschlossene Ablehnung stösst, sollte das zu denken geben. Bereits in den Beratungen wurde vor tiefen Eingriffen in Produktion und Konsum sowie vor einer Einschränkung der Wahlfreiheit gewarnt.

Gerade diese Wahlfreiheit ist für mich zentral. Was wir essen, ist Teil unserer persönlichen Lebensgestaltung. Ob jemand Fleisch, Käse, Gemüse oder ausschliesslich pflanzliche Lebensmittel bevorzugt, sollte grundsätzlich Privatsache bleiben. Der Staat darf Rahmenbedingungen für Umwelt- und Ernährungssicherheit setzen. Er sollte aber nicht über die Verfassung eine Entwicklung anstossen, die immer stärker bestimmt, was produziert, angeboten und letztlich konsumiert wird.

Nachhaltigkeit und eine sichere Versorgung sind wichtige Ziele. Sie rechtfertigen jedoch keinen unnötigen Eingriff in die persönliche Entscheidungsfreiheit. Eine verantwortungsvolle Ernährungspolitik sollte auf realistischen Rahmenbedingungen, Innovation und Eigenverantwortung beruhen – nicht auf staatlicher Lenkung des Speiseplans. Darum sage ich Nein zur Ernährungsinitiative.