Insbesondere Schweizer Grosskonzerne warnen wegen des Fachkräftemangels vor den Folgen der 10-Millionen-Initiative. Bereits jetzt rekrutieren sie vermehrt im Ausland. Dabei stellt sich die Frage, wo überhaupt die Einheimischen sind. An der Spitze sind sie kaum noch vertreten. Selbst der renommierte Headhunter Björn Johansson stellte fest, dass die Internationalisierung möglicherweise zu weit gegangen sei.
Bemerkenswert ist die geringe Präsenz Einheimischer auch auf tieferen Hierarchiestufen und in generalistischen Funktionen. In unseren Nachbarländern wäre dies undenkbar. Zwar bilden sie viele Lernende aus. Danach sind aber Einheimische vielerorts eine Ausnahme.
Der Elefant im Raum ist die zunehmende Internationalisierung der Rekrutierung und damit begrenzte Verständnis für das Schweizer Bildungssystem. Viele einstellende Manager und HR-Verantwortliche stammen aus dem Ausland und kennen das duale Bildungssystem kaum. Dadurch scheinen ausländische Lebensläufe besser zu passen. So verkleinert sich der heimische Talentpool. Bewerber aus Ländern mit stärker akademisch geprägten Ausbildungssystemen haben damit einen numerischen Vorteil. Quoten oder «Swiss First»-Regeln widersprechen einem wirtschaftsliberalen Verständnis und wären kaum zielführend.
Erfolgversprechender ist, dass sich die Grosskonzerne vermehrt mit dem heimischen Markt befassen. Dazu braucht es den Aufbau von Schweizer Expertise. Schliesslich gilt unser Bildungsmodell weltweit als Vorbild. Zudem sollten Jobanforderungen kritisch hinterfragt werden. Die fortschreitende Akademisierung schliesst qualifizierte Fachkräfte aus. Die Migration wirkt stimulierend, und die Nationalität sollte keine Rolle spielen. Bei einem sehr geringen Anteil Einheimischer in Schweizer Grosskonzernen ist Selbstreflexion angezeigt.
