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Leserbrief

DIN statt Dichtung

Zum Artikel «DIN statt Dichtung» vom 19. Februar

Im «Boten» vom 19. Februar wird etwas vorgestellt, das einem Literaturkenner den Puls in die Höhe treibt. Da wird geschildert, dass Klassiker in Kurzform unterrichtet werden sollen. Eine Frechheit! Wenn Klassiker vom Luzerner «Übersetzer» René Graf wegen Leseschwäche verändert werden, ist das ein Affront gegen die Arbeit der betreffenden Originalautoren.

Im Buch «Die Immergrünen» lässt Meinrad Lienert in der Geschichte «Die Hagelkanone von Hellikon» den Schulmeister sagen: «Es ist jammerschade genug, dass unsere schöne Schweizersprache auf die Seite gedrückt und immer mehr überpinselt wird, wie ein fertiges Kunstwerk. Jede kleine Kröte von einem Schulbuben meint schon, sie dürfe verachtungsvoll mit den auswärts bekommenen Wasserfarben darüberfludern.»

Um das Lesevermögen für schwache Leser zu verbessern, braucht es nicht gerade den Griff zu den Klassikern. Im heutigen Literaturangebot sind genügend Werke zu finden, die das Übel verkleinern lassen. Sobald sich die Situation bei den Konsumenten verbessert hat, können sie stufenweise an die farbenreichen und aussagestarken Autoren herangeführt werden und an deren bildhafter Schreibweise teilhaben. Wer selbst schon Bücher verfasst hat, weiss, dass oft kreative Einfallskraft gefordert ist, um den Leser zu fesseln. Darum ist das Wirken von André Graf, auch in Anbetracht des Copyrights, energisch zu verurteilen.

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