Leserbrief

Die grösste Stärke für den Frieden

Zur Abstimmung über die Neutralitätsinitiative vom 27. September

Die Schweizer Neutralität wird von Kritikern oft als veraltetes Relikt oder gar als Wegschauen missverstanden. Wer so argumentiert, verkennt das Wesen und die Erfolgsgeschichte unseres Landes. Neutralität bedeutet keineswegs Gleichgültigkeit oder Passivität. Sie ist im Gegenteil die wichtigste Voraussetzung dafür, dass die Schweiz auf dem internationalen Parkett ihre grösste Stärke ausspielen kann: ihre Guten Dienste und ihre Rolle als glaubwürdige Vermittlerin.

In einer zunehmend polarisierten Welt, in der sich Machtblöcke gegenüberstehen und Konflikte eskalieren, braucht es Akteure, die nicht Partei ergreifen. Wenn ein Staat wirtschaftliche Sanktionen übernimmt oder militärisch Position bezieht, verspielt er sein diplomatisches Kapital. Wer Partei ist, kann keine Brücken mehr bauen. Die Stärke der Schweiz lag seit jeher darin, mit allen Seiten im Gespräch zu bleiben, Verhandlungen anzubieten und zu vermitteln.

Die Neutralitätsinitiative setzt genau hier an: Sie versteht die Neutralität nicht als Rückzug aus der Welt, sondern als klaren Auftrag. Sie verankert die immerwährende und bewaffnete Neutralität in unserer Verfassung und fordert ausdrücklich, dass unser Land diese Stellung zur Konfliktprävention und Friedensförderung nutzt.

Ich trete aus Überzeugung für diesen Schweizer Sonderweg ein. Ein kleines Land kann und soll keine Grossmachtpolitik betreiben. Doch wir können der Welt ein einzigartiges Angebot machen: Stabilität, Verlässlichkeit und ein neutrales Dach für Diplomatie und humanitäre Hilfe. Ein klares Verfassungsfundament gibt dem Bundesrat wieder den nötigen Rückhalt, um im Ausland standhaft aufzutreten. Sichern wir unsere Eigenständigkeit und stärken wir unsere Guten Dienste. Stimmen deshalb auch Sie Ja zur Neutralitätsinitiative.

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