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Leserbrief

Die Ablenkungsinitiative

Zur Abstimmung über die Initiative «Keine 10-Millionen-Schweiz! (Nachhaltigkeitsinitiative)» vom 14. Juni

Im Juni stimmen wir über die machtunkritischste und wohlstandsgefährdendste Initiative der jüngeren Geschichte ab. Das Gefährliche an der Initiative ist nicht nur, dass sie weitere Probleme erschafft statt löst, sondern aktiv von den wahren Problemen und Fehlern ablenkt. Die Initianten und Befürworterinnen zählen in ihrer Argumentation unzählige Probleme auf. Und damit zeigen sie vor allem eines: das eigene Versagen.

Die Schlüsse, die sie aus der Aufzählung der Probleme ziehen, sind völlig irrsinnig. Schuld an diesen Problemen ist nicht etwa das seit jeher rechtsbürgerlich dominierte Bundesbern. Schuld sind laut Initianten nicht die Reichen und Mächtigen. Schuld an den hohen Mieten sind nicht etwa die Profitlogik und die gierigen Konzerne. Schuld an vollen Zügen und Strassen sind nicht etwa die verdrehte Verkehrspolitik und der Sparfetischismus der Rechten. Schuld an den Problemen sind nicht die Entscheidungsträgerinnen und -träger, nein, laut Initianten sind an all diesen Problemen diejenigen schuld, die nicht einmal über ein Stimmrecht verfügen. Vollkommen absurd.

Die Initianten stellen sich gerne als Kritiker der Classe politique dar. Doch mit dieser Initiative schützen sie ebenjene Klasse, indem sie sie von jeglicher Verantwortung freisprechen. Statt als seit über 20 Jahren mächtigste Partei der Schweiz einmal selbstkritisch das eigene Wirken zu hinterfragen, schieben sie die Verantwortung auf feigste Art und Weise auf diejenigen, die sich nicht an der Urne wehren können.

Eine solche Initiative kann nur aus Kreisen kommen, die noch nie einen machtkritischen Gedanken hatten. Lehnen wir diese chaotische Ablenkungsinitiative ab, und dann suchen wir die Lösungsansätze da, wo die Probleme auch wirklich entstehen: bei den Mächtigen.

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