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Leserbrief

De Schneller isch de Gschwinder!

Zur Nichterheblicherklärung des Postulats «Unsichtbare Gefahr – Belastung Mikroplastik» in der Kantonsratssitzung vom 11. Februar

Was macht man bei «unkontrollierter Einwanderung» und «regelrechter Explosion» von Mikroplastik in unserer Umwelt? Wer denkt, es würde eine Vorsorgeinitiative gestartet, liegt falsch. Der von den Grünliberalen im Kantonsrat postulierte Handlungsbedarf wurde mit Voten wie «Lieber etwas Mikroplastik am Rüebli als gar kein Rüebli» oder «Hier wird die nächste Sau durchs Dorf getrieben» zurückgewiesen. Den Bock schoss aber Kantonsrat Prachoinig ab: «Irrationale Masseinheiten sogenannter Experten und Professoren» würden uns als «EU-Bubentrick» von oben verordnet, womit er auf Höchstwerte im Millionstel-Gramm-Bereich anspielte.

Wer die Nachrichten mitverfolgt, weiss, dass in der Schweiz Babynahrung zurückgerufen wurde, weil eine Zutat aus chinesischer Herstellung den Höchstwert für den Giftstoff Cereulid überschritten hat. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat einen Höchstwert von Cereulid im Millionstel-Gramm-Bereich pro Kilogramm Körpergewicht für Säuglinge festgelegt. Man weiss, dass sonst starkes Erbrechen, Übelkeit, Durchfall und Bauchschmerzen auftreten. Den Aufwand, um den Höchstwert festzustellen, konnte sich die Schweiz dank der EFSA sparen. China machte keine Messungen und zensiert nun die Hersteller, um wirtschaftliche Schäden zu begrenzen.

Der Menschenverstand sagt: «Die Dosis macht das Gift», und doch können Millionstel Gramm von etwas, was wir lieber nicht im Körper haben wollen, Konsequenzen haben. In Tier- und Zellstudien zeigt Mikroplastik Zellschäden, Immunschwäche und Krebsförderung. Weiteren Zusammenhängen mit schwereren Erkrankungen wird nachgegangen. Tragen wir derweil Sorge, dass Mikroplastik in unserer Umwelt nicht weiter überhandnimmt? Wir brauchen jetzt Stichprobenuntersuchungen, die uns zeigen, wo Massnahmen zu ergreifen sind.

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