Zuerst einmal möchte ich festhalten, dass ich mit Remo Di Clemente in vielem einig bin. Auch bei mir lösen die Jugendkrawalle in den umliegenden Ländern Unbehagen aus und auch ich bin der Meinung, dass der Kantonsrat im Bildungsbereich Verbesserungen erreicht hat – etwas, was sich die Jugendlichen in besagten Ländern wünschen.
Damit ist aber leider nicht alles in Butter, wie aus dem Leserbrief interpretiert werden könnte. Die Wartefristen bei der Kinder- und Jugendpsychiatrie betragen noch immer vier bis sechs Monate oder länger und Pro Juventute vermeldet im Vergleich zur Zeit vor Corona eine Verdoppelung der Beratungen. Krisenberatungen und Blaulichteinsätze aufgrund von Suizidgefahr haben sich in diesem Zeitraum gar mehr als verdreifacht! Erschwerend hinzu kommt, dass über die Hälfte der Fachärzte in der Kinder- und Jugendpsychiatrie gegen die 60 Jahre zugeht und zu wenig Fachpersonal nachrückt. Eine Besserung der Situation für Kinder und Jugendliche ist also zumindest in diesem Bereich sehr unwahrscheinlich.
Was mich am Leserbrief aber besonders stutzig macht: die Behauptung, der Kantonsrat hätte die Schulsozialarbeit auf Gymnasialstufe eingeführt. Das ist schlichtweg falsch – ein entsprechender Vorstoss hierzu wurde vom Kantonsrat nämlich erst dieses Jahr abgewiesen. Dabei wären es unter anderem genau jene Angebote, welche präventiv und frühzeitig in die Resilienz der Kinder und Jugendlichen investieren und dadurch die psychiatrischen Dienste entlasten könnten. Ein Postulat hierzu wurde kürzlich breit abgestützt eingereicht.
Herr Di Clemente schreibt es in seinem Leserbrief abschliessend richtig: «Wer heute unseren Nachwuchs stärkt, stärkt morgen unsere ganze Gesellschaft.» Entsprechend zähle ich bei besagtem Postulat gerne auf seine Unterstützung.
