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Leserbrief

Besser betrogen sein als zu wissen?

Zum Artikel «Bei den Chemikalien drücken Bauern und Regierung auf die Bremse» vom 31. März

Im Kanton Schwyz soll zuerst einmal niemand wissen, wie viele PFAS in unseren Lebensmitteln und unserem Trinkwasser steckt. Das ist keine Vorsicht, sondern politisches Kalkül: Man vermeidet unbequeme Fakten, um unbequeme Konsequenzen hinauszuzögern.

Wie bei Pflanzenschutzmitteln werden Stoffe zugelassen und massiv in die Umwelt entlassen – erst danach soll die Wissenschaft herausfinden, ab welcher Menge sie für den Menschen giftig sind. Dass diese Ewigkeitschemikalien, die sich im Körper anreichern, giftig sind, ist unbestritten: Sie schädigen die Leber, schwächen das Immunsystem und erhöhen das Risiko für Nieren- und Hodenkrebs. Besonders gefährlich sind PFAS im Körper von Schwangeren, Föten und Kindern – dort beeinträchtigen sie das Immunsystem und die Entwicklung und erhöhen das Risiko für Fehlgeburten.

Während Appenzell bereits erhöhte PFAS-Werte in Milch und Wasser entdeckt hat und gezielt aufklärt, wartet Schwyz ab. Das nennt man nicht Vorsicht, sondern Aussitzen – auf Kosten der Bevölkerung und der Bauernfamilien, die sich hilflos dem Risiko ausgesetzt fühlen.

Wie verhältnismässig ist eigentlich ein Vorgehen, das Bürgerinnen und Bürger im Dunkeln lässt über Mengen nachweislich schädlicher Stoffe in Lebensmitteln und Trinkwasser?

Wer Verantwortung übernehmen will, schafft Transparenz. Wer aber lieber keine Messungen vorlegt, sendet die Botschaft: Schaut selbst, wie ihr euch vor Umweltgiften schützt. Mikroplastik wird vertagt, weil die Messverfahren nicht ausgereift seien; bei PFAS sind sie es – und man verweist auf unklare Bundesebene. Die Zeit des Aussitzens ist vorbei; die Schwyzer Regierung muss jetzt proaktiv messen, informieren und handeln.

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