Dass das Bahnhofsareal Brunnen rund ein Drittel mehr kostet als geplant, ist ärgerlich, vor allem für die Ingenbohler Steuerzahlerinnen und Steuerzahler. Die Erklärung des Gemeinderats greift aber zu kurz. Als Hauptgrund nennt er die «hohe Auslastung der Baubranche». Das stimmt so nicht und ist gegenüber dem Bauhauptgewerbe nicht fair.
Offerten richten sich nach dem, was ausgeschrieben wird. Wer ein Projekt dieser Grösse kalkuliert, rechnet mit dem, was die Arbeit tatsächlich verlangt: Bauen unter laufendem Bahn-, Bus- und Strassenverkehr, enge Bauetappen, anspruchsvolle Verkehrsführungen, Werkleitungen und Schnittstellen zu Kanton und SBB. Wenn die Angebote deutlich über dem Kostenvoranschlag liegen, ist das oft kein Zeichen für einen «angespannten Markt». Es zeigt vielmehr, dass die Arbeiten viel komplexer sind, als der Voranschlag angenommen hat.
Der Artikel hält selbst fest, dass seit der ursprünglichen Planung keine Projektanpassungen vorgenommen wurden. Wenn das Projekt also gleich geblieben ist, stellt sich die Frage, wie belastbar die ursprüngliche Kostenschätzung war. Auch der falsch zugeordnete Kostenteiler beim Perrondach von 950’000 Franken ist kein Marktproblem. Das ist ein Planungsfehler.
Ich sage das nicht, um mit dem Finger auf andere zu zeigen. Gute Bauprojekte entstehen nur, wenn Bauherrschaft, Planer und Unternehmer gemeinsam arbeiten. Unvollständige Ausschreibungen und zu optimistische Kostenschätzungen fallen am Ende auf alle zurück, auch auf die Unternehmen, die dann als Preistreiber dastehen.
Das Bauhauptgewerbe baut, was bestellt wird, und zwar zu Preisen, die den tatsächlichen Aufwand abbilden. Die Stimmberechtigten haben vor dem 29. November eine ehrliche Aufarbeitung der Ursachen verdient. Nur so lässt sich das Vertrauen in künftige Kostenvoranschläge zurückgewinnen.

