Zuger Lehrstellen: Positive Signale seitens der Wirtschaft sind gefragt

ZUG ⋅ Gewerbe, Wirtschaft, Schulen und Behörden des Kantons Zug befassten sich an einem Gipfeltreffen mit der künftigen Lehrlingssituation.

07. Juni 2020, 11:47

Es sind vor allem die Schülerinnen und Schüler der zweiten Oberstufe, die momentan in einem Vakuum feststecken und aufgefangen werden müssen. «Sie hatten während der Frühlingsferien Schnupperlehren geplant, die alle abgesagt wurden», berichtet Iwan Hänni, Oberstufenlehrer in Steinhausen. Diese Jugendlichen stehen mitten im Entscheidungsprozess, den sie in den kommenden Wochen abschliessen müssen. Zu Beginn der dritten Oberstufe im August werden sie sich um eine Lehrstelle per Sommer 2021 bewerben.

Rund die Hälfte seiner Schüler habe in diesem Jahr noch keine Schnupperlehre absolvieren können, so Hänni. «Ich gebe den Jugendlichen nun während des Unterrichts Zeit, um zu telefonieren, und unterstütze sie in ihren Bemühungen.» Die Frustration sei jedoch oft gross. Vor allem im Gesundheitswesen und in gewissen Dienstleistungssektoren sei es schwierig. Zum einen wegen der Angst vor dem Einschleppen des Virus und daraus resultierender Quarantänemassnahmen. Zum andern, weil viele Angestellte momentan im Homeoffice arbeiten würden. «Positive Signale seitens von Wirtschaft und Gewerbe fehlen momentan, wären aber sehr wichtig für Schüler und Eltern.»

Fachkräfte sind gesucht

Solche Signale gibt es durchaus, wie ein Treffen mit Vertretungen von Gewerbe, Wirtschaft, Schulen und Behörden Ende Mai zeigte. «Viele Betriebe sind nach wie vor bereit, trotz strenger Hygieneauflagen Schnupperlehrstellen anzubieten», betont Yvonne Kraft, Vorstandsmitglied des Gewerbeverbands Kanton Zug, Ressort Bildung. Fachkräfte seien ja vielerorts sehr gesucht. «Wichtig ist, dass die Jugendlichen nicht aufgeben, sich flexibel zeigen und bereit sind, etwas mehr herumzutelefonieren.»

Der direkte Kontakt mit den Firmen schaffe oft individuelle Lösungen und neue Möglichkeiten. Kraft ermuntert die jungen Leute der zweiten Oberstufe, nun auch die Sommerferien für Schnupperlehren zu nutzen, was früher eher weniger der Fall gewesen sei. Sie warnt ausdrücklich davor, einfach abzuwarten und in einer Zwischenlösung zu verharren: «Je länger die jungen Leute einer schulischen Struktur fernbleiben, desto schwerer fällt ihnen der Wiedereinstieg.»

Yvonne Kraft hofft, die Einblickstage am Gewerblich industriellen Bildungszentrum Zug (GIBZ) im nächsten Jahr und die Berufsschauen in Cham und Baar im kommenden Herbst wieder aufnehmen zu können. «Die Krise könnte eine Chance sein, dass wieder mehr Jugendliche erkennen, welch gute Einstiegschancen handwerkliche Berufe bieten.»

Eine weitere Chance sieht Beat Gauderon, Leiter Lehrbetriebsverbund Bildxzug und Vertreter der Zuger Wirtschaftskammer, in der Aneignung digitaler Kompetenzen. «Auf digitalem Weg ist einiges möglich, das sicher ebenso effizient funktioniert.» Dass aufgrund der Krise Lehrstellen künftig radikal gestrichen werden würden, glaubt er nicht. «Vor allem KMU werden aber vermutlich etwas vorsichtiger sein mit der Vergabe.»

Den Lehrabgängern rät er, direkt eine Weiterbildung oder die Berufsmaturität anzustreben, sollte ihr Lehrbetrieb sie nicht weiter beschäftigen können. Was vor allem im Gesundheitswesen wegfällt, ist das unverbindliche erste Schnuppern. «Wir müssten den Betrieb vorübergehend schliessen, sollte ein Jugendlicher Symptome des Coronavirus zeigen, nachdem er bei uns geschnuppert hat», erklärt Martin Affentranger, Präsident des Verbands Zuger Apotheken.

Deshalb stellt seine Branche das Schnupperprozedere um, hält zuerst ein Gespräch mit dem Interessenten ab und vereinbart erst im Anschluss daran eine Schnupperlehre. «Im Gespräch zeigt sich bereits, ob sich jemand grundsätzlich eignet, oder ob er falsche Vorstellungen des Berufs hat.» Auf diese Weise reduziere sich die Anzahl Schnupperlehrlinge auf eine vertretbare Menge.

Alternativ wird direkt an der Schule informiert

«Für jene, die sich über den Beruf der Pharmaassistentin allgemein informieren möchten, wären Infotage an der Schule denkbar.» Im Gewerbeverband Zug denke man branchenübergreifend über solche Angebote nach und gleise sie allenfalls per Herbst/Winter 2020 auf. Einzelne Firmen, wie das Unternehmen Niedermann AG, Haustechnik in Baar, haben sich bereits mit einem solchen Angebot an die Schule gewandt: «Wir beabsichtigen, an einem Samstag im Herbst einen Infohalbtag für Interessierte durchzuführen», schreibt Geschäftsleitungsmitglied Susanne Beck. «Unsere Lernenden werden ihren Beruf vorstellen und die Schüler haben die Möglichkeit, selbst Hand anzulegen.»

Der Autohändler Amag in Cham plant, ab 1. Juli wieder Schnupperlehrlinge aufzunehmen. Der Lehrlingsverantwortliche Kurt Walker hält unter Einhaltung der vorgeschriebenen Massnahmen am bisherigen Prozedere fest, begrenzt jedoch die Zeit der unverbindlichen Schnupperer auf zwei bis drei Tage. «Wenn ein Schüler dann merkt, dass dies sein Traumberuf ist, kann er sich für das Bewerbungsschnuppern anmelden.»

Zuvor werde bei einem Gespräch festgestellt, ob eine Lehre für den Betreffenden in Frage komme. Das Unternehmen Amag baut sein Lehrstellenangebot aufgrund der Coronakrise nicht ab. «Wir brauchen weiterhin Fachkräfte, die wir nach Möglichkeit im Anschluss an die Lehre auch einstellen.»


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