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Ob- und Nidwalden

Wenn die Älpler Danke sagen:  Jetzt ist wieder Chilbizeit – eine Tradition seit 1651

Die Alpzeit ist vorbei. Nachdem auf den Alpen die letzten Arbeiten verrichtet worden sind, rüsten sich die Älpler für die Älplerchilbi. Den Festivitäten gemeinsam ist deren Ursprung.

Auf den Alpen ist es still geworden. Das sonst während einer Wanderung über die Alpen für eine wohlklingende Geräuschkulisse sorgende Gebimmel der Kuhglocken ist verstummt. Die Älpler haben ihre Sommerresidenzen winterfest gemacht und sich im Tal wieder häuslich eingerichtet. Eine Arbeit, die viele mit Wehmut erfüllt. Ist doch für sie der Alpsommer die schönste Zeit im Jahr, auch wenn die Herbstmonate durchaus ihren Reiz haben. Wenn die Tage wieder kürzer werden, stehen in allen Gemeinden von Obwalden und Nidwalden die Älplerchilbi an. Es ist jener Tag, an dem die Älpler dem Herrgott im Rahmen eines festlichen Gottesdienstes Danke für einen guten Alpsommer sagen und später dann das Tanzbein schwingen.

Eine Tradition seit 1651

In der Schweiz gelten die beiden Kantone Obwalden und Nidwalden als Hotspot der Älplerchilbi. Egal, ob man nun «Chilbi» oder «Kilbi» schreibt. Einzig Stans macht da eine Ausnahme. Bei ihnen wird die Älperchilbi gefeiert. Wobei der Unterschied einzig beim Weglassen des Buchstabens L nach dem P liegt. Gefeiert wird so oder so nach einer alten Tradition, deren Ursprung in Engelberg zu suchen ist.

Im damaligen Klosterstaat initiierte Pater Marian Roth 1651 die Einrichtung einer Älplerbruderschaft. 1675 folgten die Wolfenschiesser, und dies, obwohl das Nidwaldner Geschworenengericht schon 1609 das Tanzen an Chilbianlässen verboten hatte. «Weitere Gründungen folgen im 18. Jahrhundert in Hergiswil und Stans sowie in Lungern», hatte Marius Risi bei seinen im Auftrag des Bundes durchgeführten Recherchen zum Thema «Lebendige Traditionen» herausgefunden. Damals wie heute erweisen sich der vormittägliche Festgottesdienst in der Pfarrkirche, das gemeinsame Mittagessen sowie die Tanzveranstaltung als wesentliche Elemente einer Älplerchilbi in Obwalden und Nidwalden.

Die Wilden mit unterschiedlichen Aufgaben

Wenn sich die Älplerbeamten, in Dallenwil gibt es auch weibliche Älplerbeamtinnen, zusammen mit ihren Begleitpersonen für die Älplerchilbi herausputzen, bereiten sich auch die «Wilden» auf ihre Auftritte vor. Einer alten Legende zur Folge werden sie als Dank für ihre während der Sommermonate geleisteten Arbeiten auf den Alpen zur Älplerchilbi eingeladen. Die beiden sich hinter einer Maske versteckenden Figuren haben in Obwalden und Nidwalden unterschiedliche Namen. Heissen sie in Nidwalden «Wildbutzi» oder schlicht und einfach «Butzi», werden sie in Obwalden je nach Gemeinde als «Wildmaa» und «Wildwyb» oder als «Läsi» und «Hudi» bezeichnet. Die «Wilden» sind es dann auch, die in Obwalden an den Chilbiveranstaltungen die Älplersprüche auf dem Dorfplatz vortragen. In Nidwalden fällt diese Aufgabe den «Chässprichaufsäger» oder auch den als «Chläger» bekannten Formationen zu, welche Begebenheiten des vergangenen Alpsommers und das Weltgeschehen in Reimform und Versen zum Besten geben.

Klare Chargenverteilung

Seit mindestens zwei Jahrhunderten sind Termine der verschiedenen Älplerchilbis fest in den Kalendern fixiert. Es muss schon ein triftiger Grund für eine Abweichung von diesen Daten vorliegen. Von Generation zu Generation überliefert sind ebenfalls die innerhalb einer Älplerbruderschaft festgeschriebenen und von Beamten auszuführenden Chargen mit beispielsweise Pfleger, Schreiber, Wendelinvogt Käseherr oder Fähnriche und Vorsteller. Eine Ausnahme bildet auch hier wieder Stans, wo die Beamten als «Älper» bezeichnet werden. Auch wenn es kleine Unterschiede gibt, ein fröhliches Fest ist an allen Älplerchilbis in Obwalden und Nidwalden garantiert.

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