Pilatusbahn erhält einzigartige Gleiswender

OBWALDEN ⋅ Mit der Anlieferung vom Mittwoch und der nun folgenden Montage von zwei Gleiswendern bei der Pilatusbahn-Talstation wird ein weiteres Etappenziel des 55-Millionen-Franken-Projektes «Neukonzeption Zahnradbahn» erreicht.

08. April 2021, 17:47

Robert Hess

Am Mittwochvormittag sind zwei je rund 16 Tonnen schwere und 10,5 Meter lange Gleiswender von der Herstellerfirma Ferdinand Steck Maschinenfabrik AG in Bowil auf zwei Lastenzügen nach Alpnachstad transportiert worden. Dort wurden sie von einem 500-Tonnen-Pneukran der Firma Senn von der gesperrten Brünigstrasse her über das Stationsgebäude gehoben und in Millimeterarbeit auf ihren eigenen Rädern auf die Schienen abgestellt und gesichert.

Von da werden die Gleiswender auf die vorbereiteten Einbaustellen oberhalb des Stationsgebäudes gezogen. Die Montage wird von Mitarbeitern der Firma Steck vorgenommen, wie Juniorchef Adrian Steck von der Emmentaler Produktionsfirma vor Ort erklärte.

Weichen beim System Locher ungeeignet

Weshalb Gleiswender statt Weichen? Wegen der speziellen Zahnstangen mit seitlichem Eingriff beim 130-jährigen System Locher können für den Gleiswechsel der Triebwagen nicht herkömmliche Weichen verwendet werden. Der Wechsel von einem Gleis zum andern lässt sich nur durch die bisher in der Talstation relativ «langsamen» Schiebebühnen oder wie nun beim laufenden Pilatus-Zukunftsprojekt durch beweglichere moderne Gleiswender lösen. Die Pilatus-Zahnradbahn fährt mit den bis 2023 gelieferten acht neuen Personentriebwagen und dem Gütertriebwagen auch künftig einspurig auf Pilatus-Kulm – mit der bestehenden Ausweich- und Haltestelle Ämsigen auf ungefähr halber Strecke.

Die laufende Neukonzeption Pilatus-Zahnradbahn sieht einen effizienteren Betrieb in der vergrösserten Talstation vor. In den Hang gebaut wird ein zweiter Perron, und das Gleis 2 wird verlängert. Um die beiden Gleise der Station auf der Weiterfahrt zu einem Gleis zu vereinen, werden oberhalb der Station jene zwei Gleiswender eingebaut. Auf der einen Seite der Steck-Unikate ist ein gerades Gleisstück für die Verbindung ohne Spurwechsel aufgebaut. Auf der gegenüberliegenden Seite jedes Wenders ist ein halbes S aufgebaut. Die beiden Gleiswender werden nun seitlich versetzt eingebaut, sodass die gut zwölf Meter langen Triebwagen auf einer Strecke von rund 45 Metern auf einer gestreckten S-Kurve das Gleis wechseln können, wenn der Wender entsprechend eingestellt ist. Ein dritter Gleiswender wird 2022 geliefert und dient der optimalen Einfahrt ins bestehende Depot. Die Anwendung dieses Gleiswendersystems dürfte weltweit einzigartig sein.

Hans-Rudolf Steck, Geschäftsleitungsmitglied der Herstellerfirma in Boswil, sagt: «Wir haben uns an das bestehende System der Gleiswender auf Pilatus-Kulm angelehnt, haben die Konstruktion aber an die Gleissituation in Alpnachstad und die neuen Wagen ausgelegt.» Die Ferdinand Steck Maschinenfabrik AG hatte im Rahmen der Neukonzeption der Zahnradbahn auch die speziellen Zahnstangen geliefert.


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