Körperliche und psychische Krankheiten lassen sich nicht trennen

NIDWALDEN ⋅ Andreas Scheuber vertritt die Kantone im schweizerischen Trägerverein. Er findet das Motto «Verletzlich, aber stark» gerade auch mit Blick auf die Coronapandemie gut gewählt.

03. März 2021, 12:09

Martin Uebelhart

Martin Uebelhart

Am kommenden Sonntag ist der Tag der Kranken. Es gibt ihn schon seit über 80 Jahren. Getragen wird er von einem gemeinnützigen Verein. In dessen Zentralkomitee sitzt auch Andreas Scheuber. Er ist Direktionssekretär der Nidwaldner Gesundheits- und Sozialdirektion. Im Zentralkomitee vertritt er seit bald vier Jahren die Schweizerische Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren (GDK). «Die GDK ist eine Hauptfinanziererin», sagt Scheuber im Gespräch mit unserer Zeitung. Getragen werde der Verein letztlich von zahlreichen Playern aus dem Gesundheitswesen: von Patientenorganisationen, Fachverbänden oder Gesundheitsligen. In den Sitzungen des Zentralkomitees spüre er, dass seine Meinung respektive jene der GDK gefragt sei, wie Andreas Scheuber betont.

Mit dem Tag der Kranken soll die Öffentlichkeit sensibilisiert werden. «Es ist ein Anlass, der zwar nur einmal pro Jahr stattfindet, doch erhält er durch die vielen Aktionen in fast allen Kantonen eine gewisse Bedeutung. Und vor allem auch dadurch, weil jeweils der Bundespräsident oder die Bundespräsidentin eine Ansprache hält», sagt er.

Psychische Erkrankungen nicht aus dem Blick verlieren

In diesem Jahr lautet das Motto «Verletzlich, aber stark». Dieses Thema sei gerade in diesem Jahr oder auch mit Blick auf das vergangene gut gewählt, findet Andreas Scheuber. Nicht zuletzt wegen der Coronapandemie habe der Fokus doch sehr auf den körperlichen Auswirkungen von Covid-19 geruht. Doch auch psychische Krankheiten dürfe man nicht aus dem Blick verlieren. «Man kann das auch nicht einfach trennen», ist Scheuber überzeugt. «Wenn es der Psyche nicht gutgeht, kann sich das auch auf den Körper auswirken.» Darum sei es wichtig, die eigene Widerstandskraft aufzubauen. Die Coronapandemie und ihre Einschränkungen könnten zu einer gewissen Resignation führen, man sei manchmal wütend, habe vielleicht Angst. Viele Menschen hätten nicht mehr die gewohnten Kontakte. «Es ist wichtig, dass man lernt, auf sich zu hören», sagt Andreas Scheuber. Es gebe zahlreiche Organisationen oder Selbsthilfevereine, die sich mit der psychischen Gesundheit auseinandersetzten, sagt Andreas Scheuber. Bei einer eigentlichen psychischen Krankheit wie etwa Depression sei dann aber unbedingt die Unterstützung durch Fachpersonen angezeigt.

Auch die Angehörigen können an Grenzen stossen

Andreas Scheuber lenkt den Blick noch auf ein weiteres Thema: «Immer mehr wird der Politik auch die Bedeutung der pflegenden und betreuenden Angehörigen von kranken Menschen bewusst.» Vielfach würden zum Beispiel Menschen mit Demenz oder solche mit Beeinträchtigungen zu Hause betreut. Dann verändere sich das Leben für die Angehörigen vollkommen. Man müsse auch an sie denken. Solche Angehörige und ihre Familien seien sehr gefordert und Widerstandskraft sei auch in diesem Bereich vonnöten. Die Arbeit von pflegenden und betreuenden Angehörigen sei Milliarden wert, hält Scheuber fest. Sie wollten etwas Gutes tun für ihre engsten Familienmitglieder. Doch auch die Angehörigen könnten an Grenzen stossen und leider hin und wieder selbst erkranken oder zumindest sehr erschöpft sein, gibt Scheuber zu bedenken. «Dann ist es wichtig, dass sie sich Unterstützung holen bei Organisationen oder auch bei kantonalen Einrichtungen.»

Kurzvideos zum Tag der Kranken

Die Gesundheits- und Sozialdirektion hat sich laut einer Medienmitteilung Gedanken gemacht, wie dennoch ein Beitrag zum Tag der Kranken geleistet werden könnte, obschon er nur in eingeschränkter Form stattfinden kann. Als Resultat daraus sind unter der Führung der Abteilung Gesundheitsförderung und Integration mehrere Kurzvideos entstanden, in welchen ein von einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) betroffener Bub und seine Mutter, eine Betagte, eine Fahrdienst-Freiwillige und eine Psychiatrie-Stationsleiterin von den Herausforderungen und Freuden ihres Alltags erzählen und wertvolle Tipps im Umgang mit Krankheiten geben. Die Videos werden über die Website und Social-Media-Kanäle des Kantons verbreitet sowie über Partnerorganisationen wie die Luzerner Psychiatrie (Luzern/Obwalden/Nidwalden), das Alterswohnheim Buochs und das Schweizerische Rote Kreuz (SRK) Unterwalden, welche die Realisierung der Kurzfilme unterstützt haben.