Stadt forscht nach erneuter Überschwemmung nach Ursache

LUZERN ⋅ Das Luzerner Würzenbachquartier hat ein notorisches Problem. Schuld am jüngsten Ereignis war allerdings nicht der Gerlisbergbach. Und: Der Schaden hält sich im Vergleich zum Hochwasser vom Juli in Grenzen.

04. August 2020, 18:11

Alexander von Däniken

Müsste die Feuerwehr in der Stadt Luzern eine neue Wache bauen, wäre die Gegend zwischen Verkehrshaus und Sportcenter Würzenbach ideal. Kein anderes Gebiet ist so hochwassergefährdet wie dieses. Aktuellstes Beispiel: Am Montagnachmittag standen Teile der Haldenstrasse und des Brüelkreisels unter Wasser. Die Folge: Verkehrsbehinderungen und Kursausfälle bei den städtischen Verkehrsbetrieben.

Die Feuerwehr war gestern auf der Haldenstrasse noch immer mit dem Abpumpen von Wasser aus der Kanalisation beschäftigt. Deshalb war auch weiterhin mit Verkehrsbehinderungen zu rechnen.

Der Grund für die neuerliche Überschwemmung ist noch unklar, sagt Miriam Asanger. Die Bereichsleiterin Siedlungsentwässerung und Naturgefahren der Stadt Luzern kann aber jetzt schon sagen: «Es handelt sich nicht um dieselbe Ursache wie beim Hochwasser vor einem Monat.» Am Abend des 2. Juli sorgte vor allem der Gerlisbergbach für Schäden. Dieser schoss über die Betonmauer beim kanalisierten Bach an der Schlösslistrasse über die Schädrütistrasse hinaus.

5 Meldungen – 50000 Franken Schaden

Wie lange es dauert, die Gründe für die jetzige Überschwemmung zu eruieren, ist laut Asanger noch nicht klar. Sicher sei, dass die Unterführung beim Brüelkreisel wie eine Senke sei, in der sich das Wasser sammle. Die genaue Ursache herauszufinden, «ist wie die Suche nach der Nadel im Heuhaufen», so Asanger weiter. Der Kanton sei derzeit nicht involviert, da keine Gewässer über die Ufer traten.

Immerhin: Die Überschwemmung vom Montag hat im Würzenbachquartier nur zu kleineren Schäden geführt. Bis jetzt sind laut dem stellvertretenden Direktor der Gebäudeversicherung Luzern, Heinz Achermann, fünf Schadensmeldungen eingegangen. «Die Schadenssumme schätzen wir auf rund 50000 Franken», so Achermann.

Das ist glücklicherweise gerade einmal ein Zehntel der Schadenssumme vom Hochwasser Anfang Juli in diesem Quartier. Damals hat die Gebäudeversicherung zwischen 80 und 100 Schadensmeldungen bearbeitet. Ob kleiner oder grosser Schaden: Für die Gebäudeversicherung ist es laut Achermann wichtig, dass sich solche Ereignisse an gleicher Stelle nicht mehr wiederholen: «Wir investieren viel in die Prävention und sind auch mit dem Kanton in regelmässigem Kontakt.»

Die Hochwasserereignisse in diesem Quartier beschäftigen Stadt, Kanton und Feuerwehren schon seit Jahren. Ein kurzer Überblick:

  • 21./22. August 2005: In der Nacht auf jenen Montag tritt der Würzenbach über die Ufer. Besonders betroffen ist das Verkehrshaus: Zwei Drittel der historischen Eisenbahnen stehen bis zu 30 Zentimeter im Wasser. Darunter auch die Spanisch-Brötli-Bahn. Das Verkehrshaus beklagt Schäden in Millionenhöhe. Das «Jahrhunderthochwasser» richtet auch in der Agglomeration und in der übrigen Zentralschweiz enorme Schäden an.
  • 29. August 2014: Starker Regen führt am frühen Abend zur Verstopfung eines Geschiebefängers beim Brüelkreisel. Das Wasser kann nicht mehr abfliessen und staut sich auf der Haldenstrasse zwischen VBL-Bushaltestelle Verkehrshaus und dem Kreisel Verkehrshaus bis zu 25 Zentimeter.
  • 7. Juni 2015: Ein grosses Unwetter sorgt dafür, dass der Würzenbach über die Ufer tritt. Zwar gibt es einen Entlastungsstollen mit einem Rückhaltebecken, doch ab einer gewissen Wassermenge funktioniert das System nicht mehr. Dazu kommt, dass an jenem Sonntag ausserordentlich viele Äste und Wurzeln angeschwemmt werden. Das Hochwasser richtet unter anderem im Verkehrshaus und im Romerohaus Schäden an. Die Gebäudeversicherung spricht von vermuteten Kosten in Höhe von drei bis vier Millionen Franken.

Forscher bauten Modell nach

Nach den vergangenen Ereignissen blieben die Behörden nicht untätig. So wurde die ETH Zürich nach dem Hochwasser 2015 beauftragt, Modellversuche zum Würzenbach durchzuführen. Dafür haben die Forscher ein um das Fünfzehnfache verkleinertes Modell des Bachs und des Stollens nachgebaut.

Der Kanton hat daraufhin knapp zwei Millionen Franken in den Hochwasserschutz investiert, wobei sich der Bund mit knapp einer Million beteiligte. Auch die Stadt ergriff Sofortmassnahmen. Ob es nach dem aktuellen Hochwasser weitere Massnahmen braucht – und wenn ja, welche –, wird sich zeigen, wenn die Ursache klar ist.


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