«Wir sagen die Fasnacht nicht ab»

LUZERN ⋅ In Luzern wird es 2021 keine Fasnachtsumzüge geben. (Noch) nicht abgesagt sind die Tagwachen und das Monstercorso. Das Lozärner Fasnachtskomitee (LFK) rechnet dafür mit Anlässen im kleinen Rahmen.

16. September 2020, 15:00

Roman Hodel

Die Überraschung hält sich in Grenzen, als Dani Abächerli am Mittwochmorgen im Hotel Waldstätterhof vor die Medien tritt. Als der Präsident des Lozärner Fasnachtskomitees (LFK) verkündet, was die LFK-Geschäftsleitung «einstimmig» entschieden hat, wie er betont. Denn es hat sich mit Blick auf die Grosswetterlage rund um das Coronavirus abgezeichnet, dass diverse Anlässe der Lozärner Fasnacht kaum durchführbar sind. Und so wird es jetzt auch sein:

  • Fasnachtsmäärt am 6. Februar 2021 unter der Egg: Abgesagt!
  • Usgüüglete am 9. Februar 2021 unter der Egg: Abgesagt!
  • Fritschi-Umzug am 11. Februar 2021 von der Hofkirche ins Hirschmattquartier: Abgesagt!
  • Wey-Umzug am 15. Februar 2021 von der Hofkirche ins Hirschmattquartier: Abgesagt!

Abächerli blutet darob das Fasnachtsherz, doch er sagt: «Unsere Umzüge sind ein Publikumsmagnet mit jeweils über 30'000 Zuschauern und auch am Fasnachtsmäärt stehen Tausende dicht gedrängt beieinander, das ist mit den Covid-19-Schutzmassnahmen nicht zu vereinbaren und schlicht nicht verantwortbar.» Hier ein Schnappschuss vom letzten Wey-Umzug:

Auch seien eine Schutzmasken-Tragpflicht und ein Contact Tracing nur schwierig durchzusetzen. Dann gibt es laut Abächerli aber noch einen anderen wichtigen Grund für die frühe Absage: «Die Umzugsteilnehmer, darunter viele Wagenbauer und Guuggenmusigen benötigen Planungssicherheit, denn sie beginnen nun mit den Vorbereitungen.» Schliesslich habe die ganze Fasnachts-Zentralschweiz auf ein Signal aus Luzern gewartet: «Wir haben eine Vorbildfunktion und diese nehmen wir wahr.» Gleichzeitig betont der LFK-Präsident:

«Wir sagen die Fasnacht 2021 nicht ab, das liegt nicht in unserer Kompetenz.»

Tatsächlich ist das LFK längst nicht der einzige Organisator der Lozärner Fasnacht. Die Fritschi-Tagwache mit dem Urknall am Schmutzigen Donnerstag etwa wird von der Zunft zu Safran ausgerichtet. Diese hält nächste Woche ihre Zunftratssitzung ab und wird über das weitere Vorgehen sämtlicher Zunftanlässe der kommenden Fasnacht entscheiden, wie Medienchef Alexander Stadelmann auf Anfrage sagt.

Doch die Stossrichtung dürfte klar sein: Immerhin ist die Zunft zu Safran auch Mitglied der LFK-Geschäftsleitung, welche die Absagen «einstimmig» beschlossen hat. Bezüglich Durchführung der Wey-Tagwache am Güdismontag hat die Wey-Zunft bereits entschieden. «Den Entscheid werden wir in den nächsten Wochen kommunizieren», sagt Medienchef Till Rigert.

Das Fest am Rüüdige Samschtig unter der Egg wiederum steht unter den Fittichen der Fidelitas Lucernensis. Diese hat als Mitglied des LFK bei dessen Entscheid ebenfalls mitgewirkt. «Stand heute ist deshalb auch unser Anlass unter der Egg im gewohnten Rahmen nicht möglich» sagt Dominus Reto Bachmann. Fidelitas Lucernensis prüfe, ob eine fasnachts- und coronaviruskonforme Alternative möglich sei.

Vereinigten treffen sich am Wochenende zur Klausur

Gespannt schauen viele Fasnächtler überdies auf die Vereinigten, den grössten Fasnachtsverband der Zentralschweiz. Sie organisieren unter anderem das Monstercorso am Güdisdienstagabend. «Wir haben kommendes Wochenende unsere Klausur und werden da eine Auslegeordnung machen», sagt Präsident Robert Marty. Das weitere Vorgehen werde man in Absprache mit dem Kanton und der Stadt definieren. «Der Entscheid des LFK, die Umzüge abzusagen, war zu erwarten», sagt Marty und ergänzt:

«Wir sind weniger unter Zeitdruck, weil beim Monstercorso keine grossen Wagen mitfahren, sondern primär Musigen mitmarschieren.»

Von den über 80 Vereinigte-Mitgliedern haben bislang zwei angegeben, auf die Fasnacht 2021 zu verzichten. Wobei die einen noch ein Hintertürchen offenlassen, sollte sich die Situation rund um Corona bis dann doch bessern. Marty sagt es so: «Die Fasnacht wird auf alle Fälle stattfinden, die Frage ist nur wie.»

Maskenbastelkurse finden statt

Das sieht LFK-Präsident Dani Abächerli ähnlich: «Die besondere Fasnacht 2021 wird Platz schaffen für Neues, Kreatives.» Er rechnet mit Anlässen im kleinen oder in einem anderen Rahmen. Ein paar Projekte seien in der Pipeline. Konkreteres war noch nicht zu erfahren. Und vielleicht erlebe die Beizenfasnacht ein Revival. Abgesehen davon habe das LFK nicht alle Anlässe abgesagt: Noch ist beispielsweise offen, ob das Buobenmatt-Beizli während der Fasnacht betrieben wird. Wie üblich starten am 17. Oktober auch die Maskenbastelkurse für Kinder und Erwachsene. Bereits über 100 Personen hätten sich angemeldet. Ebenfalls wird es eine Plakette geben. Und anstelle des Umzugs-Booklets ein Fasnachts-Magazin mit hintergründigem und historischen Geschichten. «Am Ende muss jeder selber entscheiden, ob er an die Fasnacht gehen will oder nicht», sagt Abächerli und ruft zu Toleranz auf:

«Im Vordergrund muss die Gesundheit und Sicherheit von uns allen stehen.»

Selbst wenn am Ende alle grossen Anlässe in Luzern ausfallen sollten, eine grosse Unbekannte bleibt: Die Strassenfasnacht. Sie wird nicht straff organisiert, sondern passiert einfach, vornehmlich in der Altstadt, und braucht keine Bewilligung. Abächerli sagt: «Um sie zu verhindern, müsste quasi ein Ausgehverbot ausgesprochen werden.» Zudem: Was tun alle die (Wagen-)Gruppen, die ihre Stammplätze in der Altstadt haben? «Für eine Aussage ist es noch zu früh», sagt etwa Dario von den Alkademikern im Zöpfli. «Wir versuchen auf jeden Fall etwas Kleines auf die Beine zu stellen, aber zuerst ist unsere Kreativität gefragt.»

Mario Lütolf, Leiter Stadtraum und Veranstaltungen bei der Stadt Luzern, verweist auf die kantonalen Verordnungsgrundlagen zum Umgang mit dem fasnächtlichen Treiben: «Falls Änderungen aufgrund der Corona-Situation erfolgen, wird sich die Stadt entsprechend anpassen müssen.» Auf die Frage ob Sperrzonen wie etwa im Frühling rund um das Seebecken denkbar sind, sagt er: «Diese wurden auf Basis der Epidemieverordnung des Bundes beschlossen.» Grundsätzlich sei es jetzt noch zu früh für konkrete Aussagen. Mitte Oktober folge der nächste Runde Tisch zum Thema Fasnacht und es werde nicht der Letzte sein. Lütolf sagt:

«Dass das LFK seine Anlässe bereits jetzt abgesagt, nehmen wir als äusserst vernünftigen Entscheid zur Kenntnis.»

Die Medienkonferenz zum Nachschauen:


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