Mit diesem neuen Projekt will die Luzerner Psychiatrie Suizide sowie Suizidversuche verringern

LUZERN ⋅ Bis Ende 2024 will die Luzerner Psychiatrie vier konkrete Massnahmen umsetzen, die Betroffenen und deren Angehörigen sowie Fachpersonen beim Umgang mit suizidalen Krisen helfen sollen.

18. März 2021, 18:18

Livia Fischer

Livia Fischer

Die Luzerner Psychiatrie (Lups) hat gemeinsam mit der Gesundheitsförderung Schweiz und weiteren Träger- und Partnerorganisationen eine neue Kampagne zur Suizidprävention lanciert. Ziel des Projekts «Suizidprävention Einheitlich Regional Organisiert» – kurz Sero – ist, Suizide sowie Suizidversuche und die damit verbundenen Klinikaufenthalte im Versorgungsgebiet der Lups zu reduzieren.

Der Kostenpunkt beläuft sich auf fast 2,5 Millionen Franken; 1,5 Millionen davon werden durch die Gesundheitsförderung Schweiz finanziert. Und der Rest? «Dieser wird zum Grossteil von der Lups in Form von Personalressourcen für die Projektumsetzung aus dem laufenden Betrieb heraus investiert», sagt Projektleiter und Pflegeexperte APN der Lups Michael Durrer. Auch die Kooperations- und Projektpartner beteiligen sich mit Personalressourcen daran.

Erste-Hilfe-Tipps für Angehörige und Schulungen für Fachpersonen

Das Projekt läuft während vier Jahren und umfasst vier Massnahmen, die sich sowohl an die suizidgefährdeten Personen sowie ihre Angehörigen als auch an Fachpersonen richten. Bis alle umgesetzt werden, dauert es noch ein bisschen. Eine der ersten ist ein Sicherheitsplan, den die Lups ab diesem Herbst in digitaler wie auch in Papierform zur Verfügung stellen will. In diesem Plan können Betroffene etwa individuelle Frühwarnzeichen, Bewältigungs- und Ablenkungsstrategien bei akuten Krisen sowie Kontaktdaten von Vertrauens- und Fachpersonen schriftlich festhalten.

Die Kurse «Erste-Hilfe-Gespräche über Suizidgedanken» – in denen Angehörige von betroffenen Personen lernen, Erste Hilfe bei Suizidgefährdung zu leisten – können über die Stiftung Pro Mente Sana zwar bereits jetzt besucht werden. Durrer:

«Im Rahmen von Sero ist geplant, dass Personen aus Luzern, Ob- und Nidwalden ab Herbst 2021 vergünstigt an den Kursen teilnehmen können.»

Zudem werden die Kurse mit der sogenannten Prism-S-Methode ergänzt – diese ist ebenfalls eine der neuen Massnahmen.

So funktioniert sie: Anhand einer Visualisierung wird die subjektive Bedeutung des Suizidrisikos mit Hilfe von verschiedenfarbigen Punkten auf einer Platte dargestellt. Durrer sagt:

«Diese Einschätzung vereinfacht das Gespräch mit einer Fachperson über den Notzustand der betroffenen Person und verbessert die offene Verständigung und Beziehung.»

Die Vorgehensweise hat sich längst bewährt, ist an anderen Orten schon seit mehreren Jahren erfolgreich im klinischen Einsatz. Kostenlose Schulungen für Fachpersonen aus dem Einzugsgebiet der Lups werden von November bis Sommer nächstes Jahr stattfinden.

Das Wichtigste ist, darüber zu reden

Die letzte Massnahme ist auf November 2022 terminiert. Dann soll eine erste Version einer Selbstmanagement-App für Betroffene zur Verfügung stehen. Dieses soll Anwenderinnen und Anwendern dabei helfen, suizidale Krisen vorzubeugen, zu bewältigen und zu reflektieren. «Geplant ist, dass die App eine angepasste Prism-S-Methode enthält, mit der Betroffene selber einschätzen können, wo sie sich in Bezug auf ihr Suizidrisiko momentan befinden.» Auch der Sicherheitsplan soll integriert werden, sodass Betroffene diesen jederzeit auf ihrem Mobiltelefon abrufen können. Zudem werden nebst den Kontakten der persönlichen Vertrauenspersonen auch allgemeine öffentliche Notfallnummern gespeichert.

Eine zweite Version des Apps, die sich dann an Vertrauenspersonen und Angehörige richtet, soll im Herbst 2023 rauskommen. «Damit können Betroffene ihre Inhalte mit ihren Vertrauenspersonen teilen», erklärt Durrer und ergänzt: «Jene sehen dann, was beispielsweise ihr bester Freund inhaltlich in seinem Sicherheitsplan stehen hat und können im Gespräch mit ihm Bezug darauf nehmen.»

Unabhängig davon, ob und welche Methode letztlich zum Tragen kommt: Menschen, die akut mit Suizidgedanken zu kämpfen haben, rät Durrer, die «meist schambehaftete persönliche Hürde» zu überwinden und sich mitzuteilen. «Das ist das Wichtigste – egal ob gegenüber einer Vertrauensperson oder in einem Telefongespräch mit der Dargebotenen Hand. Auch jede medizinische Notfalleinrichtung bietet da Hilfe.» Im Gegenzug seien Angehörige und Fachpersonen angehalten, mögliche Suizidgedanken direkt anzusprechen.

«Die offene Frage nach der Suizidalität erleichtert es Betroffenen, darüber zu sprechen.»

Das Beratungstelefon der Luzerner Psychiatrie ist rund um die Uhr für Direktbetroffene von psychischen Erkrankungen sowie deren Angehörige unter 0900 85 65 65 erreichbar.


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