Ein Leben zwischen Spital und Lehrbetrieb

LUZERN ⋅ Der 20-jährige Josua Odermatt leidet an einer Niereninsuffizienz. Trotz Hindernissen hat er soeben in Nebikon seine Lehre als Automobilmechatroniker abgeschlossen – und für seinen Durchhaltewillen einen Preis erhalten.

12. Juli 2018, 19:33

Urs-Ueli Schorno

Die Garage Seeholzer in Nebikon ist ein Kleinbetrieb. Geführt wird er von Bruno und Priska Seeholzer. Acht Personen arbeiten in der Autowerkstatt. Unter ihnen auch der frischgebackene Automobilmechatroniker Josua Odermatt. Der 20-Jährige hat eben seine Lehre abgeschlossen, an sich nichts Besonderes. Doch bei ihm ist es das eben doch: Seit Geburt leidet der im Ortsteil Hofstatt in Luthern auf einem Bauernhof Aufgewachsene an einer Niereninsuffizienz.

Diese chronische Krankheit führt dazu, dass sich die Funktion der Niere über einen langen Zeitraum mehr und mehr vermindert. «Es war schnell klar, dass meine Niere nie die volle Leistung wird erbringen können», führt er aus. Seine Kindheit war also geprägt von Spitalbesuchen in Luzern und Zürich. Während des Wachstums, in der Pubertät fiel die Leistung seines Organs auf unter 15 Prozent – Zeit zum Handeln.

Volle Unterstützung aus dem Betrieb

Odermatt liess sich auf eine Spenderliste setzen. Im August 2014 wurde ihm schliesslich eine neue Niere implantiert. In der Zwischenzeit hatte er seine erste Lehre bei der Seeholzer AG begonnen, als Automobilfachmann. «Die Firma hat mich immer zu hundert Prozent unterstützt, das war nie ein Thema», sagt Odermatt. Natürlich hat er seinem Arbeitgeber die Situation erklärt, bevor er die Lehrstelle antrat. «Es war immer klar, dass die Gesundheit vor geht», bestätigt Priska Seeholzer, die im Geschäft für Buchhaltung und Administration verantwortlich ist. Sie fügt aber auch an, dass es nicht immer einfach sei, die Situation als Kleinbetrieb zu handhaben, wo der Ausfall einer Arbeitskraft gleichwohl grössere Auswirkungen hat. «Wir haben aber gelernt, das einzuplanen», ergänzt Geschäftsführer Bruno Seeholzer.

Das mussten sie immer wieder tun: Besonders dann auch, als nach der Operation im Herbst vergangenen Jahres das Transplantat versagt hat. Es würde im Fall einer erneuten Transplantation wieder entfernt werden müssen. Ein harter Schlag für den jungen Mann. Seither muss Josua drei Mal in der Woche zur Dialyse – montags, dienstags und samstags. Zwar will er sich bald wieder auf eine Liste setzen lassen, doch vorerst bleibt ihm nichts anderes übrig, als sein Blut regelmässig mit Hilfe einer Maschine zu reinigen. Weitere Einschränkungen, etwa im Sport, sind mit der Behandlung nicht verbunden. «Ausser», er zeigt auf seinen Oberarm, wo jeweils das Blut aus seinem Körper entnommen wird, «dass ich mich hier nicht verletzen soll». Kampfsportarten seien ihm deshalb nicht unbedingt empfohlen.

Ein Vorteil hatte der rituelle Gang an das Dialysegerät aber doch: «Mir blieb viel Zeit zum Lernen», sagt Odermatt. Denn während der vier Stunden, die das Prozedere jeweils dauert, habe er sich auf seine Prüfungen zur Zweitlehre als Automobilmechatroniker vorbereiten können. «Seine Noten sind bemerkenswert besser geworden», wirft Bruno Seeholzer ein, der sich auch dafür eingesetzt hat, dass Josua dank Nachteilsausgleich mehr Zeit für seine Prüfungen erhielt. Für seinen Durchhaltewillen in dieser Zeit hat Josua Odermatt nun den Paul-Hürlimann-Preis erhalten. Mehr als über die 1000 Franken und die damit verbundene Anerkennung freute er sich zunächst über etwas anderes, nämlich: «Darüber, dass ich die Lehrabschlussprüfung bestanden habe», sagt er lachend. Denn, dass er den Preis gewonnen habe, wurde ihm schon vor dem offiziellen Termin verkündet. «Da er aber nur an jemanden gehen kann, der die Lehre auch geschafft hat, wusste ich es schon ein paar Tage früher.»

Nun wird Josua Odermatt vorerst im Betrieb weiterarbeiten. Irgendwann stehen auch Ferien an. «Da muss ich natürlich zuerst organisieren, dass ich in einem Spital vor Ort weiterhin die Dialyse machen kann.» Josuas Leben bleibt eines, das mit Einschränkungen verbunden ist. Mitleid will er deswegen aber «sicher nicht». Die Anerkennung für seinen Umgang mit der Krankheit nimmt er aber gerne entgegen.


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