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Letztes Aufgebot vor der WM: Störenfried Okafor und Murat Yakin nähern sich wieder an - zwei Exoten aussortiert

Der Schweizer Nati-Trainer gibt am Donnerstag das Kader für die Testspiele gegen Deutschland (27. März) und Norwegen (31. März) bekannt. Jetzt werden die Weichen für die WM im Sommer gestellt.

Rückblickend wirkt es wie ein Gag. Aber Murat Yakin meint es vor einem Jahr völlig ernst, setzt sich ins Flugzeug und reist ans andere Ende der Welt, nach Buenos Aires. Dort bei den Boca Juniors, beim Maradona-Klub, hat ein 29-jähriger Rechtsverteidiger den Schweizer Pass, weil sein Vater Waadtländer ist: Lucas Blondel. Kennen tut ihn hierzulande bis zu Yakins Argentinien-Reise niemand. Der Schweizer Nati-Trainer kommt auf Blondel, weil er nach dem schwachen Herbst 2025 frisches Spielerblut sucht und ihm damals die tauglichen Verteidiger ausgehen.

Yakin macht Blondel Hoffnung auf eine nachhaltige Nati-Karriere und wünscht sich im Gegenzug mehr südamerikanische «Grinta» in seinem Team. Doch als der Argentinier im März 2025 im Trainingslager der Schweizer nach Portugal eincheckt, stellt sich zum einen heraus, dass Blondel das pure Gegenteil des feurigen Latino ist. Vor allem aber: Sportlich genügen seine Einsätze hinten und vorne nicht.

Lucas Blondel spielte Anfang 2025 in der Schweizer Nati vor und hinterliess Zweifel.
Bild: Toto Marti/freshfocus

Käser-Enkel plötzlich Schweizer Nationalspieler

Ebenfalls kein Aufwand gescheut wird bei Stefan Gartenmann: Dessen Grossvater ist einst aus der Schweiz nach Dänemark ausgewandert, um dort zu heiraten und als Käser zu arbeiten. Enkel Stefan hat nach einer Express-Einbürgerung erst seit acht Tagen den Schweizer Pass, als er gemeinsam mit Blondel erstmals zur Nati stösst. Erfahren hat man beim Schweizer Verband von Gartenmann durch dessen Berater, der seinen Klienten mit Leadership-Qualitäten und der Aussicht auf den Schweizer Pass bewirbt.

Für den 29-jährigen, damals wie heute bei Ferencvaros Budapest unter Vertrag, fühlt sich das Nati-Aufgebot surreal an, er habe nie im Leben damit gerechnet, plötzlich mit Granit Xhaka auf dem Platz zu stehen. Als Typ überzeugt der Innenverteidiger auf Anhieb, sportlich indes stösst auch er an Grenzen. Für die USA-Reise im vergangenen Sommer erhalten Gartenmann und Blondel nochmals eine Einladung, dann muss Murat Yakin endgültig eingestehen: Experiment gescheitert.

Stefan Gartenmann fand sich Anfang 2025 plötzlich in der Schweizer Nati wieder: Die Chance auf eine Rückkehr scheint sehr klein.
Bild: ANTHONY ANEX

Die WM-Qualifikation im Herbst bestreitet der Nati-Trainer mit altbewährten Kräften - die zahlen mit Leistung zurück. Das und die Tatsache, dass sowohl Gartenmann als auch Blondel auf Klubebene schwierige Zeiten durchmachen, hat ihre Chancen auf einen Platz im WM-Kader zerstört. Und wohl auch ihre Nati-Karrieren so abrupt beendet, wie sie begonnen haben.

Mehrere WM-Kandidaten aus der Schweizer Super League

Wenn Yakin nun an diesem Donnerstag sein letztes Aufgebot vor dem Turnier im Sommer bekannt gibt, wird nur noch einer drei Spieler dabei sein, die vor einem Jahr zum ersten Mal nominiert worden sind: Alvyn Sanches. Für den 23-Jährigen wird damals der Traum zum Alptraum, als sich der Supertechniker nach 25 Minuten im Nati-Dress das Kreuzband reisst. Während der Reha wechselt er von Lausanne zu YB und nähert sich dort seit seinem Comeback der Form an, wegen der Yakin grosser Sanches-Fan ist. Der Spielmacher darf fest mit der WM-Teilnahme rechnen, vorausgesetzt er bleibt gesund.

Von Alvyn Sanches wird man im Schweizer-Natidress noch vieles zu sehen bekommen.
Bild: LAURENT GILLIERON

Das wiederum gilt nicht für Noah Okafor. Talent hat der Stürmer ebenso viel in die Wiege gelegt bekommen wie Sanches, doch wegen seinem teamschädigenden Verhalten und Verbalangriffen gegen den Verband und Trainer ist sein Stellenwert zwischenzeitlich ins Bodenlose gesunken.

Ein Besuch von Yakin im englischen Leeds, wo Okafor in dieser Saison gute Leistungen zeigt, war der Anfang der gemeinsamen Absicht, den Bruch zu kitten. Und Okafor wäre in den März-Tests gegen Deutschland und Norwegen wohl auch schon wieder dabei gewesen, doch ausgerechnet jetzt ist er verletzt. Heisst: Okafor muss sich bei Yakin mit guten Leistungen im Klub für ein WM-Ticket bewerben.

Noah Okafor (links) kann diese Saison bei Leeds United überzeugen: Schafft er es ins WM-Kader?
Bild: IAN WALTON

Neben Okafor gibt es von Yakin geschätzte Routiniers oder Aufsteiger, die sich Hoffnungen machen: Christian Fassnacht (YB), Renato Steffen (Lugano), Alessandro Vogt (St. Gallen), Matteo di Giusto (Luzern), Sascha Britschgi (Parma), Zachery Athekame (Milan). Zu ihrer Situation wird sich der Nati-Trainer vor dem letzten Zusammenzug vor der WM äussern.

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