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Triathlon

Was machte Nicola Spirig so erfolgreich

Mit dem Greifenseelauf bestreitet Triathlon-Olympiasiegerin Nicola Spirig am Samstag ihren letzten Wettkampf als Profi. Die 40-Jährige ist ein perfektes Beispiel in Sachen Effizienz und Disziplin.
Nicola Spirig hatte in ihrer Karriere viel Grund zur Freude
Bild: KEYSTONE/DPA/HANNIBAL HANSCHKE

Olympia-Gold 2012, Olympia-Silber 2016, sechs EM-Titel über die olympische Distanz (2009 bis 2018), einen über die Halb-Ironman-Distanz (2021), das Palmarès von Spirig ist mehr als imposant. Noch eindrücklicher macht das Ganze, dass sie ein Jura-Studium abgeschlossen hat und mittlerweile dreifache Mutter ist - das erste Kind kam Anfang Mai 2013 zur Welt, das zweite im Mai 2017, das dritte im April 2019. 2014 gründete sie eine Stiftung und den Kids Cup. Trotz allem nahm sie im vergangenen Jahr in Tokio zum fünften Mal an Olympischen Spielen teil und belegte dort den 6. Rang. Wie war das alles möglich?

"Ich bin sehr effizient, das war schon in der Schulzeit so", sagt Spirig im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA Beispielsweise machte sie während des Deutschunterrichts Mathematikaufgaben, um Zeit fürs Training zu haben. Um trotz der riesigen Lizentiatsprüfung am Ende des Studiums alles unter einen Hut zu bringen, funktionierte sie ihr Zimmer in eine Trainingsstätte mit Laufband und Rollen um, an der Wand hingen Spickzettel. Zum Teil schaute sie auf der Rolle Vorlesungen.

Speditiv dank guter Planung

"Ich bin sehr speditiv und gut darin, alles Mögliche zu verbinden", sagt Spirig. "Ein 1000-seitiges Buch habe ich nicht gelesen, da hatte ich eine gute Kollegin, die eine 100-seitige Zusammenfassung schrieb, die ich dann auf zehn Seiten zusammenfasste." Das Training wurde so gestaltet, dass alles reinpasste. "Brett (Sutton, der Trainer) und ich wussten genau, was wichtig ist und wo gekürzt werden konnte."

Ein weiterer Punkt ist die Freude. "Ich habe mein Leben immer aus Sachen zusammengesetzt, die ich gerne mache und geschätzt habe". Das Training habe ihr Energie für die Familie gegeben und umgekehrt. Zudem war für Spirig angesichts der vollgepackten Tage wichtig, Schritt für Schritt zu nehmen. Sie schreibt per Hand auf Zettel auf, was es zu erledigen gibt. Ist die Liste zu lang, liest sie jene Sachen aus, die sie unbedingt erledigen will und plant dementsprechend. "Das ist etwas, das ich gelernt habe. Das konnte ich nicht von Anfang an", sagt Spirig, die trotz der langen Liste versuchte, jeweils um 22 Uhr im Bett zu sein.

Enorme Disziplin und Leidensfähigkeit

Nebst der Effizienz verfügt Spirig über eine enorme Disziplin. Stand ein Training auf dem Programm, führte sie dieses aus, auch wenn sie müde war und es nicht für nötig hielt. Es war ihr wichtig, sagen zu können, alles Mögliche gemacht zu haben. Das brauchte sie für ihr Selbstvertrauen. Und sie besitzt die Fähigkeit, sich extrem verausgaben zu können. "Sich ein grosses, herausforderndes Ziel zu setzen, fand ich immer extrem spannend", sagt Spirig.

In den Wochen vor einem solchen war sie mental stets enorm fokussiert. Dem Zufall überliess sie ohnehin nichts. Sie war schon drei Jahre vor dem Olympiasieg in London vor Ort, schaute die Strecke an und berücksichtigte diese im Training. Sie wusste genau, was sie an dem Tag essen und wann sie aufstehen wollte. Sie visualisierte sehr viel. Da Sutton die Chance, dass es in London zu einem Sprint kommt, was dann auch der Fall war, als gross einstufte, stellte sich Spirig vor, gegen wen sie wahrscheinlich sprintet, wie der Sprint aussehen soll. Zudem absolvierte sie Mal für Mal nach einem harten Bahntraining einen 200 m langen Sprint gegen Männer.

Der Perfektionismus ging so weit, dass Sutton am Abend nach dem Olympiasieg sagte, dass sie morgen um 8 Uhr ein Schwimmtraining machen müssten, da für die Olympischen Spiele vier Jahre später in Rio de Janeiro eine Stiländerung nötig sei, weil das Schwimmen im Meer stattfinde. Gleichzeitig schaut Sutton extrem auf Flexibilität. Er plant das Training des Tages aufgrund des Feedbacks seiner Athletinnen und Athleten - nach den Intensitätsstufen normal, mittel und voll. Von Puls- und Stoppuhren hält er nichts. Voll ist einfach das, was an diesem Tag möglich ist. "Dadurch lernte ich den Körper sehr gut kennen", sagt Spirig. "Ich musste stets selber beurteilen, was normal, mittel und voll ist."

Keine Angst, aber Respekt

Als weiteres Puzzleteil für ihren Erfolg bezeichnet Spirig "die Unterstützung rundherum. Die Eltern legten die Basis, in dem sie mich polysportiv aufwachsen liessen und mich an Tausende Trainings fuhren. Mein Mann war bereit, zu Hause zu bleiben. Es braucht alle Teile, sonst funktioniert es nicht." Vor der Zeit nach der Karriere hat sie keine Angst, aber Respekt. "Es ist eine grosse Veränderung. Ich freue mich aber darauf." (sda)

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