
Wenn zwei sich streiten, freut sich die Dritte. Als sich Marlen Reusser und die Niederländerin Demi Vollering beim Schlussanstieg auf den legendären Mont Ventoux belauerten, nutzte Kasia Niewiadoma die Gunst der Stunde, attackierte zehn Kilometer vor dem Ziel und gewann die Königsetappe der Tour de France als Solistin, 1:16 Minuten vor der 29-jährigen Vollering.
Bei Temperaturen von bis zu 35 Grad hatten mehrere Ausreisserinnen ihr Glück in der Flucht nach vorne versucht, kurz vor der Anfahrt zum Mont Ventoux waren nur noch neun übrig geblieben. Als knapp 16 Kilometer vor dem Ziel auf 1909 Metern über Meer aber die Qual begann, rauschte das Feld mit allen Favoritinnen heran und das Rennen begann von vorne.

Erster Etappensieg für Niewiadoma
Es gibt längere und steile Anstiege als die 15,2 Kilometer und im Schnitt knapp 9 Prozent auf den «Giganten der Provence». Doch die steilsten Abschnitte liegen in den letzten 5,7 Kilometern ab dem Chalet Reynard, wo der schützende Wald abrupt endet und die charakteristische, weisse Gerölllandschaft beginnt. Der Sendeturm auf dem Gipfel ist nun ständig zu sehen, kommt aber nur langsam näher. Der berüchtigte Mistral-Wind und Sonne treffen die Fahrerinnen in dieser kargen Landschaft ungebremst.
2024 hatte Kasia Niewiadoma die Tour de France gewonnen, bei den drei weiteren Austragungen war sie jeweils Dritte geworden. Nun feierte die Polin endlich auch ihren ersten Etappensieg und hat nun gute Karten, die seit 2022 ausgetragene Rundfahrt als Erste mehr als einmal zu gewinnen.

Entscheidung fällt wohl am Sonntag
Zwar musste Marlen Reusser das Maillot Jaune abgeben, ihre Chancen auf den Gesamtsieg bleiben aber intakt. Als Dritte liegt sie 39 Sekunden hinter Niewiadoma, 24 hinter Vollering. Am Samstag steht zwischen Sisteron und Nizza zwar die mit 172 Kilometern längste Etappe an. Allerdings sind auf diesem Teilstück «nur» 1600 Höhenmeter zu bewältigen.
Die Entscheidung dürfte wohl erst am Sonntag fallen. Das Finale führt vier Mal über den Col d'Èze und eröffnet Marlen Reusser und Demi Vollering mit 2315 Höhenmetern auf 99 Kilometern noch einmal die Gelegenheit, das Ruder vielleicht doch noch einmal herumzureissen.


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