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Schweizer Cup

Ludovic Magnin ist endlich zu Hause in Lausanne - und trifft jetzt auf den FC Zürich, seine andere Liebe

Lausanne-Sport hat Ludovic Magnin einst das Herz gebrochen, jetzt ist er dort Trainer – und trifft im Cup ausgerechnet auf seinen Ex-Verein FC Zürich.

Viel ist an diesem Mittwochmittag nicht los beim Stade de la Tuilière, kaum eine Menschenseele hat sich dorthin verloren. Doch da ist auch dieser Mann, der gerade sehr viel Spass hat. Er lacht und ruft und singt sogar kurz, während er für ein paar Fotos posiert, die ein Klubmitarbeiter von ihm schiesst.

Der Mann hat schütteres Haar und ein markantes Gesicht, das der Fussballschweiz wohlbekannt ist. Er heisst Ludovic Magnin – kurz: Ludo, gerade in der Westschweiz-, früher Spieler, heute Trainer. Und wie er sich da so gibt, in diesem unbeobachteten Moment, sieht er aus wie einer, der sich gerade überaus wohl fühlt.

Später sitzt Magnin im Stadion. Auf dem T-Shirt prangt das Vereinswappen, und alles wirkt stimmig: Magnin, der Mann aus dem nahen Echallens, im Trikot von Lausanne-Sport, dem grössten Fussballklub im Waadtland.

Magnin hat in Lausanne viel Macht und Verantwortung

Doch ganz so einfach ist die Geschichte von Magnin und Lausanne-Sport nicht. Der junge Ludo träumte zu Hause in Echallens zwar nie von Bremen oder Stuttgart, zwei Vereinen, die später für ihn noch eine Rolle spielen werden. Sondern immer nur von Lausanne. Er geht mit dem Vater oft auf die Pontaise, bewundert Frank Verlaat, Christophe Ohrel, Stéphane Chapuisat. Doch als Magnin als Jugendlicher den Sprung vom Dorf in die Stadt wagt, darf er nur ein Jahr bleiben. Dann wird ihm beschieden, dass es nicht reiche.

Magnin sagt, das habe damals sehr wehgetan. Er erhält beim NLB-Klub Yverdon eine Chance, steigt mit ihm auf, wechselt nach Lugano. Wird Nationalspieler, schafft den Sprung nach Deutschland, zweimal Meister, mit Bremen und Stuttgart. 62 Länderspiele, WM- und EM-Teilnahmen, ein Aussenverteidiger mit Offensivdrang.

Und dann: Zürich, von 2010 bis 2020, zuerst als Spieler, dann als Trainer. Und jetzt, am Sonntag, im Sechzehntelfinal des Cups: Wieder Zürich, aber diesmal auf der Gegenseite. «Gänsehaut­wochen» seien das für ihn.

In Zürich war Magnin so ­lange, dass das Herz seines ältesten Sohns noch immer am Klub hängt. Er selbst ist den Canepas, dem Zürcher Präsidentenpaar, bis heute dankbar, dass es ihm den Einstieg ins Trainergeschäft ermöglichte. Magnin arbeitet in Zürich als Junioren- und Co-Trainer, übernimmt die zweite Mannschaft und 2018 die erste.

Es sind wechselvolle Jahre, Magnin gewinnt den Cup gegen YB und in der Europa League gegen Leverkusen, aber in der Meisterschaft reicht es zweimal nur für Rang sieben. Im Oktober 2020 wird er entlassen, nach einer Serie von zwölf Spielen ohne Sieg. Heute sagt er, das sei damals für beide Seiten der richtige Schritt gewesen.

Magnin verschwindet nach seiner Entlassung – und taucht im Winter 2022 im Vorarlberg wieder auf, bei Altach, einem Bundesliga-Verein, der gegen den Abstieg kämpft. Bei seiner Vorstellung in Österreich sagt Magnin, es sei ein bewusster Entscheid gewesen, ins Ausland zu gehen. Er wolle die Vorur­teile gegenüber seiner Person in der Heimat zurücklassen.

Magnin, der Missverstandene

Auch das ist ein Teil von ihm: Er hat sich in der Schweiz schon öfter ungerecht behandelt gefühlt und missverstanden. Als Aussenverteidiger, der angeblich nicht verteidigen kann. Als Trainer, der nicht anders kann, als aus der Haut zu fahren. «Wer in der Schweiz ein Etikett aufgeklebt bekommt, wird es nicht mehr los», findet er.

In Altach geniesst er sein ­Leben ohne Etikett. Am letzten Spieltag gelingt die wundersame Rettung. Doch als dann Lausanne ruft, kann Magnin nicht widerstehen. Zurück zur alten Liebe. Erstmals Trainings in der Muttersprache leiten.

Im Stade de la Tuilière, dieser Schönheit am Stadtrand, ist der 43-Jährige nun ein Mann mit einer grossen Aufgabe: Er muss einen verwundeten Klub heilen. Im Sommer stieg Lausanne aus der Super League ab. Zuvor ­hatten sich in der Region viele vom Klub abgewandt, auch, weil die Besitzerin – der britische Konzern Ineos – keinen Wert legte auf regionale Identifikation. ­Gerade Sportchef Souleymane Cissé geriet ins Visier der Fans.

Der Aufstieg als Pflicht

Doch jetzt ist ja Magnin da, und man kann sagen, dass sich Lausanne ihm ganz verschrieben hat. Einen Sportchef gibt es nicht mehr, nur noch den Ineos-Abgesandten Leen Hemskerk. Der ist Präsident und CEO, doch das Sportliche ist Magnins Domäne. Er vergleicht seine Rolle mit jener, die in England üblich ist, wo der Trainer Manager heisst.

Für ihn war diese Konstellation ein wichtiger Grund, nach Lausanne zu gehen. Er sagt, das mache «die Geschichte sehr spannend», und er durfte einen Kader zusammenstellen, wie er ihm vorschwebte: Keine Leihspieler von Nizza, dem anderen Ineos-Verein, wo Magnins Ziehvater Lucien Favre Trainer ist. Sondern gestandene Challenge-League-Spieler, die den Aufstieg bewerkstelligen sollen. Für Magnin heisst das aber auch, dass er diesen nun liefern muss.

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