Am Dienstag ist die Schweizer Nati in die USA abgeflogen. Ziel: Das WM-Basecamp in der kalifornischen Grossstadt San Diego. Nicht mit an Bord: Stürmerstar Breel Embolo.

Weder eine Verletzung noch eine Sommergrippe sind der Grund dafür, dassEmbolo nicht mit seinen 25 Teamkollegen an die US-Westküste mitgeflogen ist. Nein - dem Profi von Stade Rennes wird tatsächlich von den Behörden die Reise in die USA untersagt: Die auf ihn ausgestellt elektronische Reisegenehmigung ESTA ist nicht mehr gültig und befindet sich in Abklärung.
Was ist das ESTA?
Das Electronic System for Travel Authorization (ESTA: Elektronisches System zur Anreisegenehmigung) ist ein elektronisches Reisegenehmigungssystem des US-Ministeriums für Innere Sicherheit. Es ist als erweiterte Sicherheitsüberprüfung für Reisende in die USA eingeführt worden und seit 2009 verpflichtend.
Eine Genehmigung ist für jegliche Art der Einreise in die USA erforderlich. Ob eine Einreise genehmigt wird, entscheidet nach der Ankunft ein Beamter der Zoll- und Grenzschutzbehörde vor Ort.
Reisende mit einem gültigen Visum sowie US-Staatsbürger benötigen keine ESTA-Genehmigung.
Der Schweizerische Fussballverband meldete kurz vor dem Abflug der Nati am Dienstagmittag mit Swiss-Flug LX40 nach Los Angeles: «Breel Embolo kann leider nicht mit dem Team in die USA fliegen. Sein ESTA war bis heute Morgen bewilligt. Um 10.30 Uhr haben wir die Information erhalten, dass sein ESTA nochmals in Abklärung geht. Wir stehen nun in Kontakt mit den Behörden und gehen davon aus, dass Breel entweder heute noch oder dann morgen nachfliegen und zum Team stossen wird.»
Embolo wurde komplett auf dem falschen Fuss erwischt. Nichtsahnend traf er am Dienstagvormittag mit der Mannschaft in Zürich ein, verteilte Autogramme und posierte für Selfies mit Fans, die extra für die Verabschiedung der Nati zum Flughafen gekommen waren.

Mit Embolo fehlt der Nati ein Schlüsselspieler
Obwohl die Schweizer Nati das erste WM-Gruppenspiel gegen Katar erst am 13. Juni austrägt, ist das vorläufige Einreiseverbot für Embolo ein Schock. Der 29-jährige ist im Team von Trainer Murat Yakin unverzichtbar: Sowohl als physisch starke Sturmspitze als auch als Führungsspieler, der sich um die Integration der jungen und noch frischen Nati-Spieler kümmert. Zudem ist Embolo bei den Team-Häuptlingen Xhaka, Freuler und Akanji hoch angesehen. Ihn nicht von Anfang des WM-Camps in den USA dabeizuhaben, ist für den Aufbau des Teamgefüges alles andere als optimal.
Mit 24 Toren in 86 Länderspielen ist Embolo, der im März 2015 als 18-Jähriger sein Debüt im Schweizer Trikot feierte, der erfolgreichste Torschütze der noch aktiven Nati-Profis. An der WM soll er mit seinen Toren für das Erreichen des hoch gesteckten Ziels sorgen. «Die beste Schweizer WM der Geschichte» will das Team gemäss Trainer Murat Yakin spielen. Das wäre, gemessen am Viertelfinal-Einzug an der Heim-WM 1954, die Qualifikation für die Halbfinals.
Embolo ist verurteilter Straftäter
Ob Embolo mithelfen darf? Der Entscheid liegt bei den US-Behörden. Ob diese auch seine Vergangenheit nochmals genau durchleuchten? Denn zu Embolos Karriere gehört dazu, dass der hoch veranlagte Stürmer mit Wurzeln im Kamerun nicht nur sportlich Schlagzeilen schreibt.
Eben erst im vergangenen April erfuhren seine Eskapaden abseits des Fussballplatzes einen negativen Tiefpunkt: Embolo ist seither rechtskräftig verurteilt, weil er auf den Rekurs gegen das im Herbst 2025 gesprochene Urteil des Basler Appellationsgerichts verzichtete. Embolo gilt nun offiziell als verurteilter Straftäter wegen mehrfacher Drohung und muss eine bedingte Geldstrafe von 45 Tagessätzen à 3000 Franken leisten. Die Probezeit beträgt zwei Jahre und läuft.
Es ist zwar Spekulation, aber denkbar, dass diese Entwicklung die US-Behörden veranlasste, Embolo's Einreise-Antrag einer tiefergehenden Prüfung zu unterziehen. Vor einem Jahr noch, als die Nati sich im Rahmen von zwei Testspielen schon einmal bekannt machte mit den Bedinungen in den USA, gab es jedenfalls keine Probleme bei seiner Einreise. Aber damals war Embolo noch kein verurteilter Straftäter. Im Fragebogen für den ESTA-Antrag lautet einer der auszufüllenden Punkte: «Wurden Sie jemals verhaftet oder wegen einer Straftat verurteilt, die zu erheblichen Sachschäden oder zu schwerem Schaden an einer anderen Person oder einer staatlichen Behörde geführt hat?»
Für Embolo's Mitspieler jedenfalls scheint es nur eine Frage der Zeit zu sein, bis dieser im WM-Camp ankommen wird. Auf Social-Media-Fotos, die Xhaka und Co. vor dem Abflug posteten, markierten sie ihren Teamkollegen mit den Worten, dass sie sich auf Embolo freuen. Der offizielle Nati-Account schrieb unter das Gruppenfoto aus dem Flieger: «Ein Platz ist noch frei. Aber nicht mehr lange. Sehen dich bald Breel».



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