notifications
Eishockey

Die Liga der letzten ausländischen Männer: Sie sollen in der neuen Saison für Furore sorgen

Vier der zehn interessantesten neuen Ausländer sind Torhüter – zum ersten Mal wird die Liga durch ausländische Goalies geprägt.

Nach der Erhöhung der Anzahl Ausländer von vier auf sechs pro Team sind sie nun ausländische Torhüter zahlreich wie noch nie: Die ZSC Lions, Lugano, Biel, Ambri und Aufsteiger Kloten vertrauen auf ausländische Goalies und Lausanne und Langnau dürften bei den letzten Männern bald ausländisch nachrüsten. Kriegsbedingt ist die KHL für Spieler aus dem Westen nicht mehr attraktiv. Nun bietet die unsere Liga nach der NHL die besten Arbeitsplätze. Wir haben nicht nur so viele, sondern auch so gute Ausländer wie noch nie.

Juho Metsola – Goalie, 33 Jahre, Kloten

Weder Weltmeister noch Olympiasieger und doch Weltklasse: zuletzt in sieben Jahren in der russischen KHL viermal mehr als 93 Prozent Abwehrquote. Wie kann es sein, dass er nicht einmal auf 20 Länderspiele kommt? Ganz einfach: Er hat einmal ein Aufgebot für Operettenländerspiele abgelehnt. Weil er die Pause lieber mit seiner ­Familie verbringen wollte. Zur Strafe ist er seither nie mehr ­nominiert worden. Und so gilt er in Finnland für viele als meistunterschätzter Torhüter. Im Zeitalter der wehrhaften Riesen wirkt er von der Statur her als flinker Zauberfloh (173 cm/ 69 kg) wie ein «Fabeltier» aus längst vergangenen Zeiten, als die Goalies kleine, flinke Gummimänner waren: Er mahnt vom Stil her an Klotens vierfachen Meistergoalie Reto Pavoni. Wahrlich, ein gutes Omen.

Mikko Koskinen – Goalie, 34, Lugano

Wenn je die Bezeichnung «Titan» treffend war, dann bei diesem NHL-Riesen (200 cm/92 kg). Nach fünf Jahren in der KHL und vier Saisons in der NHL hat er nun in Lugano die gleiche Aufgabe wie zuvor in Edmonton: Einem Team mit ruhmreicher Geschichte zu neuem Glanz verhelfen. Der Vergleich mit den ­Oilers ist reizvoll: Nach einem guten Saisonstart im Herbst 2018 verehrten ihn die Fans, die zu den leidenschaftlichsten der NHL gehören. Aber dann kippte die Stimmung und noch vor Ablauf eines Jahres galt er fortan mit 4,5 Millionen Dollar als überbezahlt. In Lugano sind die Fans ebenso leidenschaftlich und die Erwartungen mindestens so gross: Die Luganesi gehen ­davon aus, dass sie erstmals seit Elvis Merzlikins (wechselte 2019 in der NHL) wieder einen finalfähigen Goalie haben.

Frédérik Gauthier – Stürmer, 27, Ajoie

Bei keinem anderen Team muss ein offensiver ausländischer Leitwolf so viele Kriterien erfüllen: Vertrautheit mit der frankophonen Kultur, so gross und kräftig, dass er und seine Mitstreiter nicht herumgeschubst werden, das Talent für viele Tore und moderate Salärvorstellungen. Frédérik Gauthier wird als kräftigster Stürmer der Liga neben Teemu Hartikainen nicht herumgeschubst (195 cm/108 kg), war mit Kanada zweimal Junioren-Weltmeister, 2013 Torontos Erstrundendraft und ist doch nie recht in der NHL angekommen. So landete er halt auf dem Transferwühltisch. Dort hat ihn Ajoies neuer Sportchef Julien Vauclair entdeckt. Der wehrhafte Mittelstürmer wird ordentlich rumpeln. Ob er auch flink und produktiv genug ist für unsere Lauf- und Tempoliga, wird sich zeigen.

Brian O’Neill – Stürmer, 34, Zug

Mark Arcobello hätte seinen Kumpel gerne in Lugano gesehen. Aber Brian O’Neill stürmt lieber für Zug. Stilistisch ein «Zauberzwerg» wie Luganos Captain und Topskorer – oder wie Lino Martschini: Zauberzwerge sind kleiner als 180 Zentimeter und leichter als 80 Kilo, schnell, schlau und furchtlos, in der NHL kommen sie wegen fehlender Postur nicht zum Zuge und sind perfekt für unsere Liga. Der Amerikaner traf in 22 NHL-Spielen nie ins Tor, produzierte aber in sechs Jahren in der KHL durchschnittlich 0,86 Punkte pro Partie – sogar mehr als Lino Martschini bisher für Zug (0,81). Kommt dazu, dass kleine, leichte Stürmer weniger schnell altern als grosse und schwere. Somit ist das fortgeschrittene Alter kein Problem. Brian O’Neill ist Amerikas Antwort auf Martschini.

Filip Chlapik – Stürmer, 25, Ambri

Sage mir, ob Ambris Ausländer die Netze füllen, und ich sage Dir, ob Ambri die Playoffs erreicht: Mit Liga-Topskorer Dominik Kubalik (jetzt Millionär in der NHL) stürmte Ambri 2019 auf Rang 5 und in die Champions League. Ohne Kubalik reichte es seither nur noch maximal zu Platz 10. Also ist es die Mission von Sportchef Paolo Duca, den nächsten Kubalik zu finden. Ist Filip Chlapik der neue Kubalik? Warum nicht? Ähnliche Postur, gleiche Position am linken Flügel und sogar noch bessere Referenzen: Er kommt als Topskorer der tschechischen Liga nach Ambri: 31 Tore (70 Punkte) in 53 Qualifikationspartien. So produktiv war Kubalik vor dem Wechsel zu Ambri nicht. Kommt dazu: Aus Schweden wechselt Michael Spacek nach Ambri. Er stürmte einst als Junior mit … Filip Chalpik.

Simon Hrubec – Goalie, 31, ZSC

Bei ihm ist jede Parade Geld wert: Er spendet für jeden gehaltenen Puck zehn tschechische Kronen (knapp 40 Rappen) für einen guten Zweck. In Tschechien beteiligen sich inzwischen gut 60 Hockey- und 50 Fussball-Goalies an der Aktion und in der Schweiz sein Teamkollege Ludovic Waeber. Die ZSC Lions verdanken ihre ruhmreichsten Jahre einen ausländischen Torhüter (Ari Sulander) und letzte Saison rettete Jakub Kovar die Saison. Weil der Tscheche aus familiären Gründen in seine Heimat zurückkehrte, ist nun Simon Hrubec der neue letzte Mann der ZSC Lions. 2019 war er tschechischer Meister, 2021 gewann er den Titel in der KHL. Wie man Meister wird, weiss er also. Zudem letzte Saison beim missglückten Olympiaturnier (7.) und bei der Rehabilitation (WM-Bronze) Tschechiens Nummer eins.

Klas Dahlbeck – Verteidiger, 31, Davos

Einst mussten ausländische Verteidiger produktiv sein und der Amerikaner Ron Wilson war in Davos mit 39 Toren und 44 Assists aus 38 Spielen (1984/85) als erster Verteidiger Liga-Topskorer. Damals waren nur zwei Ausländer erlaubt. Nun sind es sechs und ausländische Verteidiger werden nun auch fürs Verteidigen geholt: Klas Dahlbeck veredelt als smarter Defensivverteidiger die ohnehin schon stabile HCD-Hintermannschaft. Im letzten Frühjahr gewann er mit ZSKA Moskau nach 2019 zum zweiten Mal den KHL-Titel, und weil er zusammen mit seinem Landsmann Adam Reideborn die Saison trotz des Ukraine-Krieges zu Ende spielte, ist in seiner schwedischen Heimat heftig polemisiert worden: Adam Reideborn und er sind als «kleine Pro­pagandajungs von Wladimir ­Putin» verhöhnt worden.

Marc Michaelis – Stürmer, 27, SCL Tigers

Zu den Mysterien unseres Hockeys gehört das Fehlen von Deutschen. Obwohl die Deutschen ja oft besser sind als wir. Zu Starruhm brachten es bis heute eigentlich nur Torhüter Siggi Suttner in Arosa (1984/85) sowie die Stürmer Erich Kühnhackl in Olten (1985 bis 1987) und seit letzter Saison Dominik Kahun in Bern. Nun kommt mit Marc Michaelis ein Stürmer nach Langnau, der sich wegen Verletzungspech während acht Jahren in der NHL nicht durchsetzen konnte und den viele deutsche Beobachter höher einschätzen als Kahun. Letzte Saison kam er nach fünfmonatiger Pause doch noch ins WM-Team und war überragend (8 Spiele/7 Punkte). In Langnau versucht er die Karriere neu zu lancieren – mit dem Nahziel Ligaerhalt und dem Fernziel NHL. Beide sind gleich schwierig zu erreichen.

Harri Säteri – Goalie, 32, Biel

Er ist Weltmeister und Olympiasieger und doch nur ein Lückenbüsser: ­Joren van Pottelberghe erlitt durch einen Zusammenstoss mit Zugs Jérôme Bachofner am 12. März so schwere Blessuren (Kreuzband), dass er erst im Laufe der Saison wieder fit wird. Also hat Biel Harri Säteri als Ersatz geholt. Er war beim Olympiasieg die Nummer eins, aber bei der WM musste er Juho Olkinuora den Vortritt lassen. Weil Olkinuora bei der WM so gut war, bekam er doch noch einen Job in der NHL, löste den Vertrag mit Biel wieder auf und so steht nun eben Säteri bei den Bielern im Tor. Er hat die letzten drei Jahre in der KHL verbracht, Russland nach dem Ausbruch des Ukraine-Krieges verlassen und beendete die vergangene Saison im NHL-Team von Phoenix als Teamkollege von Biels Ex-Captain Janis Moser.

Teemu Hartikainen – Stürmer, 32, Servette

Er hat nach neun Jahren und mehr als 500 KHL-Spielen Russland verlassen und nun stellt sich bei uns die Frage: Wer soll ihn aufhalten? Hartikainen ist so (186 cm, 106 kg) kräftig wie Ajoies Frédérik Gauthier und war Finnlands offensiver Leitwolf beim Olympiasieg (6 Spiele/7 Punkte/beste Plus/Minus-Bilanz des Turniers) und beim WM-Triumph (10 Spiele/6 Punkte). Er ist bei Servette neben Stürmer Valtteri Filppula (38) und Offensiv-Verteidiger Sami Vatanen (31) der dritte Finne, der diese Saison Olympiasieger und Weltmeister geworden ist. So ruhmreiche Ausländer hatte zuletzt Fribourg-Gottéron in den 1990er-Jahren mit Slawa Bykow und Andrej Chomutow – und blieb doch titellos. Auch Servette und Teemu Hartikainen waren noch nie Landesmeister. Es ist also Zeit für eine Meisterfeier.

Kommentare (0)