«Ich weiss aus eigener Erfahrung, was es heisst, den eigenen Partner zu pflegen. Auch Angehörigenpflege ist Pflege.»
Was sind pflegende Angehörige, und wofür werden sie entlöhnt?
Pflegende Angehörige sind Menschen, die eine nahestehende Person zu Hause pflegen - sei es ein Elternteil, Partner*innen, Kinder oder Freund*innen. Sie übernehmen dabei nicht nur Betreuung und Unterstützung im Haushalt, sondern oft auch pflegerische Aufgaben wie Hilfe bei der Körperpflege, beim An- und Auskleiden, bei der Nahrungsaufnahme oder bei der Mobilität. Genau diese sogenannte Grundpflege kann über eine anerkannte Spitex-Organisation entschädigt werden. Es geht also nicht um den Verwandtschaftsgrad, sondern um Pflegeleistungen.
Weshalb ist eine Entlöhnung der Grundpflege notwendig?
Hinter jeder pflegerischen Handlung steht ein Mensch, der Verantwortung trägt, oft bis an die eigenen Grenzen geht und dabei viel von seiner eigenen Zeit und Kraft investiert. Ohne pflegende Angehörige würden viele Menschen früher in ein Pflege- oder Altersheim eintreten müssen. Die Entlöhnung von Grundpflegeleistungen ist eine Investition in eine nachhaltige Versorgung. Sie ermöglicht es Angehörigen, ihre Rolle verantwortungsvoll wahrzunehmen, ohne finanziell und psychisch übermässig belastet zu werden. Gleichzeitig bleibt die Lebensqualität der gepflegten Person oft deutlich höher.
Sie waren selbst pflegende Angehörige. Weshalb ist eine Anstellung sinnvoll?
Ich weiss aus eigener Erfahrung, wie intensiv die Pflege eines Partners beziehungsweise Angehörigen ist – emotional wie körperlich. Man ist rund um die Uhr da, stellt die eigenen Bedürfnisse zurück, reduziert allenfalls das Arbeitspensum und trägt eine grosse Verantwortung. Eine formale Anstellung bedeutet nicht, dass man aus Mitgefühl plötzlich einen Beruf macht. Es geht nicht nur um die finanzielle Entlöhnung, sondern darum, pflegende Angehörige in ihrem Engagement zu stützen und Erschöpfung vorzubeugen. Eine Anstellung gibt Struktur, Sicherheit und Wertschätzung. Für mich persönlich hätte es einen grossen Unterschied gemacht, emotionale, fachliche und finanzielle Unterstützung zu erhalten.
Wieso ist die Pflege von Familienangehörigen mehr als nur «familiäre Fürsorgepflicht»?
Zwischen Fürsorge und Pflege gibt es eine klare Grenze. Natürlich gehört es zur familiären Verantwortung, füreinander da zu sein. Doch sobald es um regelmässige, fachlich relevante Pflege geht, sprechen wir von Leistungen, die über das hinausgehen, was selbstverständlich ist. Diese Tätigkeiten erfordern Zeit, Wissen und oft auch eine hohe Belastbarkeit. Sie als solche anzuerkennen und entsprechend zu behandeln, ist ein wichtiger Schritt hin zu mehr Fairness und Transparenz im Umgang mit Pflegearbeit.


