«Panik auf dem Markt»: Die Holzpreise explodieren

SCHWYZ ⋅ Europäisches Holz ist begehrt. Das führt zu explodierenden Preisen. Die Oberallmeindkorporation Schwyz spürt noch wenig davon.

11. April 2021, 14:53

Franz Steinegger, Bote.ch

«Die plötzliche und massive Verknappung von Lamellen auf dem europäischen Holzmarkt hat einen regelrechten Nachfrage-Tsunami auf die Leimholzprodukte von Schilliger Holz AG ausgelöst», hält das Küssnachter Unternehmen auf seiner Internetseite fest. Lamellen sind Bretter, aus denen Leimholzprodukte wie verleimte Balken für Tragwerke oder Mehrschichtplatten hergestellt werden.

Innert weniger Wochen sei der Bestellvorrat auf das Doppelte der üblichen Menge angestiegen, die Lieferfristen würden mittlerweile über vier Monate betragen. Patron Ernest Schilliger bestätigt, dass die Nachfrage in den letzten vier Wochen fast explosionsartig zugenommen hat: «Wir sind in kürzester Zeit mit Bestellungen eingedeckt worden, auch von Bestellern, die nicht zu unseren Stammkunden gehören.»

In Deutschland und Österreich habe die Holzindustrie diese «Panik auf dem Markt» wahrgenommen. «Sie hat schnell reagiert und die Preise nach oben angepasst.» Innerhalb eines Monats seien die Schnittholz- und Lamellenholzpreise richtiggehend explodiert. «In der Schweiz hinken die Preise derzeit noch etwas nach, weshalb sich viele wohl auf Vorrat bei uns eindecken», vermutet Ernest Schilliger.

Naturprodukt Holz im Trend

Knapp sei insbesondere hochwertiges Holz von Tanne und Fichte. «Wir haben viel mehr Aufträge, als wir verarbeiten können. Wir arbeiten in zwei Schichten, teilweise auch samstags», erklärt Schilliger. Dem Familienunternehmen blieb deshalb nichts anderes übrig, als ab dem 1. April einen temporären Bestellungsstopp für Leimholzprodukte zu verhängen. Er vermutet, dass die hohe Nachfrage «sicher noch bis im Herbst anhält».

Die von Unternehmen wie Schilliger getrockneten, verleimten und aufbereiteten Holzelemente werden von Schmidlin Holzbau in Steinen zu Gebäuden oder Tragkonstruktionen verbaut.

Die wöchentlich steigenden Preise seien für die Holzbaufirmen ein unternehmerisches Risiko, rechnet Thomas Schmidlin vor: «Wenn wir einen Holzbau vier Monate vorher offeriert haben, müssen wir ihn zum kalkulierten Preis bauen, auch wenn die Einkaufspreise massiv gestiegen sind.» Die Preisentwicklung sei nicht in allen Sortimenten gleich, doch Leimholz habe sich innert zwei Monaten um bis zu 60 Prozent verteuert, Holznebenprodukte wie Platten und Dämmungen um 20 bis 30 Prozent. Dies habe Auswirkungen auf die Offertgültigkeitsdauer.

Hinzu kämen die langen Lieferfristen: «Wir mussten einen Hausbau zeitlich bereits um fünf Wochen nach hinten verschieben, weil der Nachschub fehlt», weist Schmidlin auf eine weitere Herausforderung hin.

Die Verknappung habe auch eine gesellschaftliche Komponente, erläutert der Holzbauunternehmer aus Steinen. «Die weltweite Nachfrage nach Holz ist riesig, befeuert durch die Klimadebatte und den Trend zu einheimischen, ökologischen Produkten. Der Konsument zieht Holz aus lokalen Wäldern dem Tropenholz oder jenem aus sibirischen Wäldern vor.»

Hinzu kämen die technischen Fortschritte beim Bau. Heute sei es möglich, bis 70 Meter hohe Holzhäuser zu bauen. In den letzten Jahren seien mehrgeschossige Wohnblöcke, Schulen, Gewerbebauten, öffentliche Gebäude, selbst Banken aus dem heimischen Rohstoff entstanden.

«Im 19. Jahrhundert war Stahl im Trend, im 20. Jahrhundert Beton. Jetzt sind wir im Holzjahrhundert», ist der «hölzige» Thomas Schmidlin überzeugt.


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