Ski alpin

«Auf die jungen Skirennfahrer dürfen wir uns freuen»

Eine Woche vor der Lauberhornabfahrt will Franz Heinzer im Europacup mit einer grossen Delegation von Nachwuchsfahrern für Aufsehen sorgen. Die aktuellen Weltcup-Resultate seiner ehemaligen Schützlinge sind der Beweis für seine professionelle Nachwuchsarbeit.
Der Brunner Franz Heinzer, Abfahrtsweltmeister von 1991, ist bei Swiss Ski als Speed-Trainer tätig. Das Bild entstand in Rothenthurm beim Skilift Neusell.
Foto: Erhard Gick, Bote der Urschweiz

Mit Franz Heinzer sprach
Jolanda van de Graaf


Franz Heinzer, die Piste in Wengen wurde durch die FIS noch vor dem Sturm Burglind freigegeben. Wie sieht die Situation am Lauberhorn aktuell aus?
Viele Auffangnetze wurden weggeblasen. Diese müssen zuerst wieder aufgebaut werden. Dazu gab es gestern Regen bis auf Starthöhe. Regen hat aber im Gegensatz zu Schneefall den Vorteil, dass die Piste rasch wieder präpariert werden kann. Die Austragung des Super-Gs vom Samstag ist gesichert, die von heute Freitag noch nicht hundertprozentig.

Sie reisen in diesem Jahr mit einer grossen Delegation zum Europacup in Wengen. Wie kommt das? 
Tatsächlich sind wir mit allen Betreuern über 50 Personen. Die Schweiz ist Austragungsland und darf deshalb anstatt 14 ganze 30 Rennfahrer stellen. Dieses Kontingent werden wir in diesem Jahr voll ausschöpfen. Neben den 23 Kaderfahrern von Swiss-Ski starten sieben junge Talente aus den nationalen Leistungszentren. Das war nicht immer so.

Die Nachwuchsarbeit wirkt?
Auf jeden Fall. Wir spüren deutlich, dass im Nachwuchsbereich das Niveau gestiegen ist und wir breiter aufgestellt sind. Dazu tragen unter anderem auch die Nachwuchscamps im Frühling auf dem Corvatsch bei, wo wir die jungen Skitalente schrittweise an die Abfahrtselemente wie Wellen, Sprünge und Übergänge heranführen. 

Fünf Fahrer aus Ihrem Europacup-Team starten seit diesem Winter im Weltcup. Eine Genugtuung?
Natürlich macht es Freude zu sehen, wie Gilles Roulin nebst anderen guten Platzierungen in Val Gardena seine Chance packte und bei der Abfahrt Vierter wurde. Er ist der letztjährige Sieger des Gesamt-Europacups, fährt technisch sehr gut und seine profihafte Einstellung gefällt mir. Roulin ist ein «Chrampfer». Das zahlt sich jetzt aus. Der Normalfall ist aber, dass Nachwuchsfahrer mehr Zeit brauchen, um im Weltcup Fuss zu fassen.

Eine erste Bilanz zu den bisherigen Weltcup-Leistungen von Urs Kryenbühl aus Unteriberg?
Ich erinnere mich an seine Fahrt in Beaver Creek. Diese Strecke ist richtig schwierig. Wie er dort in diesen gegen links hängenden, sehr steilen Hang hineingefahren ist, war stark. Wenn es richtig zur Sache geht bei Höchstschwierigkeiten, kann Urs Kryenbühl seine Stärken erst richtig ausspielen. Er hat grosses Potenzial.

Nun betreuen Sie im Europacup schon die nächste Generation von Speed-Spezialisten. Auf wen dürfen wir uns freuen?
Lars Rösti. Diesen Namen sollten wir uns merken. Der Berner Oberländer gewinnt bereits Fis-Rennen. Ebenfalls vielversprechende Leistungen zeigen Marco Gämperle aus Obersaxen, Marco Kohler aus Meiringen und Jan Gut, Lara Guts Bruder.

Und die Zentralschweizer?
Von Matthias Iten aus Unterägeri und Semyel Bissig aus Grafenort verspreche ich mir einiges. Auch sie werden in Wengen im Einsatz stehen. Für einen Exploit der Schweizer muss aber viel zusammenstimmen, denn die Weltcupfahrer vieler Nationen nutzen die Europacup-Super-Gs als Vorbereitung auf die Lauberhornabfahrt in einer Woche. 

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