Kein grüner Zweig in Sicht: So oder ähnlich stehen die Jungen Grünen derzeit mit ihrer Umweltverantwortungs-Initiative da. Ausser im eigenen Links-Grünen Lager erhält ihre Volksinitiative knapp zwei Wochen vor dem Abstimmungstermin vom 9. Februar kaum Zuspruch. Vielmehr: Die Aussicht auf Erfolg schwindet weiter. Und das immer schneller.
In der zweiten und letzten, am Mittwoch von der SRG publizierten Umfragewelle , lehnen 61 Prozent der Befragten die Umweltverantwortungs-Initiative ab. Lediglich 37 Prozent sind dafür. Zum Vergleich: Kurz vor Weihnachten, bei der ersten vom Umfrageinstitut gfs.bern erhobenen Befragung, lehnte erst eine relative Mehrheit von 49 Prozent die Initiative ab.
In der ebenfalls am Mittwoch publizierten zweiten Konkurrenz-Befragung von «20 Minuten» und der Tamedia-Zeitungen kommt die Umweltverantwortungs-Initiative noch gerade auf 32 Prozent Ja-Stimmen. Deutliche 67 Prozent wollen am Sonntag in einer Woche demnach ein Nein in die Urne legen.
Ausschlaggebend für das Nein ist laut beiden Umfragen in erster Linie die Angst vor den wirtschaftlichen Folgen eines Ja. Die Initiative verlangt, dass die wirtschaftlichen Aktivitäten der Schweiz nach einer Annahme nur noch so viele Ressourcen verbrauchen und Schadstoffe freisetzen dürfen, dass die natürlichen Lebensgrundlagen erhalten bleiben.
Selbst GLP-Wählende wenden sich nun ab
Wenig überraschend kommt diese Forderung bei Frauen deutlich besser an als bei Männern, wie ebenfalls beide Umfragen zeigen. Und in den Städten ist die Unterstützung grösser als auf dem Land. In der Deutschschweiz gibt es im Vergleich zur Romandie und dem Tessin mehr Widerstand gegen zusätzliche Vorschriften im Umweltbereich.
Auch die Möglichkeit, das Blatt vom rot-grünen Lager via die Mitte heraus wenden zu können, wird immer unrealistischer. Wie die Umfrage von gfs.bern deutlich macht, wenden sich nun auch die Wählenden der Grünliberalen (GLP) von der Umweltverantwortungs-Initiative ab. Und das bereits vor der Nein-Parolenfassung der GLP vom vergangenen Samstag. Damit teilt die Initiative der Jungen Grünen das traditionelle Schicksal vieler Volksinitiativen: Sie büssen mit anhaltendem Abstimmungskampf an Zuspruch im Stimmvolk ein.
Für die SRG-Umfrage hat gfs.bern zwischen dem 5. und 23. Januar 2025 insgesamt 16’512 Stimmberechtigte online und per Telefon befragt. Der statistische Stichprobenfehler liegt bei +/- 2,8 Prozentpunkten. Die Umfrage von «20 Minuten» und den Tamedia-Zeitungen ist am 22. und 23. Januar bei 13’460 Personen online durchgeführt worden. Der Stichprobenfehler liegt bei +/- 1,5 Prozent.
