Flydubai

«Es war ein Wunder»: Passagier Daniel Schlichter über die zwei Piloten, die den Absturz verhinderten

Nach einer Attacke in Tausenden Metern Höhe sind Pilot und Copilot handlungsunfähig. Zwei Zivilisten springen ins Cockpit und schliessen die Tür – und die Passagiere des Fluges nach Israel fragen sich, ob sie jetzt gerettet oder entführt werden.

Als die Boeing 737 der Gesellschaft Flydubai im Sturzflug Richtung Erde raste, waren sie die Retter in der Not: Zwei Piloten, die nicht zur Besatzung gehörten, übernahmen das Steuer, stabilisierten das Flugzeug und landeten es sicher in Saudi-Arabien. Damit haben sie wahrscheinlich 182 Menschen das Leben gerettet, doch wer sie sind, ist auch drei Tage später noch nicht bekannt.

Während der Name des von seinem Copiloten schwer verletzten Flugkapitäns Smit Machchhar in aller Munde ist, wird die Anwesenheit der beiden in den meisten Berichten nur am Rande erwähnt. Flydubai bezeichnet sie lediglich als diensthabende Crewmitglieder, die als Passagiere mitgeflogen seien.

Der Passagier Daniel Schlichter, der während der dramatischen Augenblicke im vorderen Teil des Flugzeugs auf dem Weg von Dubai nach Tel Aviv sass, nannte sie gegenüber der Nachrichtenagentur AP Helden. Allerdings habe er bange 45 Minuten lang nicht gewusst, ob sie Retter oder Entführer waren.

Der Copilot hatte Machchhar Ermittlern zufolge mit einer Notaxt angegriffen und wollte das Flugzeug zum Absturz bringen. Der schwer verletzte Kapitän schaffte es, die Cockpittür zu entriegeln. Entsetzte Passagiere bemerkten, was im Cockpit vor sich ging. Der Copilot habe den Kapitän immer wieder angegriffen, berichteten sie. Überall sei Blut gewesen.

Unbekannte am Steuer

Schlichter sagte, ein Passagier habe den Angreifer gepackt und aus dem Cockpit gezerrt. Während dieser und andere mit dem Copiloten rangen, sei ein Mann über das Menschenknäuel hinweg in die Pilotenkanzel geeilt. «Er sprang quasi über die Männer hinweg, die den Terroristen festhielten, griff zum Steuer und begann, die Kontrolle zu übernehmen», sagte Schlichter. «Er handelte wirklich wie ein Held. Er übernahm die Kontrolle über das Flugzeug.»

Dann sei der andere Pilot dazugekommen. «Sie schlossen die Tür, weil sie niemanden sonst im Cockpit haben wollten», sagte Schlichter. Allerdings hätten weder er noch die anderen Passagiere gewusst, wer die beiden Männer waren und keine Ahnung gehabt, was sie im Cockpit machten. Immerhin hätten sie den Eindruck gemacht, genau zu wissen, was sie tun mussten.

Die Boeing verlor während des Sturzfluges einen Teil des Seitenruders. Nach «ziemlich vielen Minuten» – vielleicht zehn oder mehr – hat sich das Flugzeug stabilisiert, sagte Schlichter.

Wohin fliegen sie uns?

Während die Männer im Cockpit nach einem Notlandeplatz suchten, fragten sich verängstigte und misstrauische Passagiere, wer das jetzt am Steuer sitze. «Nachdem sie das Flugzeug stabilisiert hatten, sprachen sie nicht mit uns. Und ich muss sagen: Das machte mir Sorgen», sagte Schlichter. Er habe ein noch schlimmeres Szenario gefürchtet: Die Männer könnten «das Flugzeug vielleicht in den Iran entführen. Oder irgendwo anders hin.»

Erst als die Piloten nach etwa 45 Minuten mitgeteilt hätten, dass sie in Tabuk in Saudi-Arabien landen würden und alles gut werde, habe er beschlossen, ihnen zu vertrauen, sagte Schlichter.

Dass die beiden Männer mit im Flugzeug sassen, bezeichnete er als Wunder. «Nicht auf jedem Flug fliegen zwei zusätzliche Piloten mit», sagte er. «In diesem Fall waren sie an Bord, weil sie das Flugzeug von Tel Aviv nach Dubai zurückfliegen sollten. Nur deshalb waren sie da.» (dpa)

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