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Zwischenruf

Zwei Männer unserer Zeit

Der eine zeigt der ganzen Welt seine Verletzlichkeit, der andere verletzt, um auf der ganzen Welt Macht auszuüben: Papst Franziskus und Donald Trump senden gerade sehr unterschiedliche Botschaften.

Man sieht die beiden Köpfe jetzt jeden Abend in der «Tagesschau». Der eine ist die Nachricht, der andere macht sie.

Jeden Abend in der «Tagesschau»: Papst Franziskus.
Bild: ARD

Zu Papst Franziskus gibt es ein tägliches Gesundheitsbulletin: erst Bronchitis, dann polymikrobielle Infektion, nun beidseitige Lungenentzündung. «Bischöfe rufen zum Gebet für Franziskus auf», hiess es gestern. Redaktionen bereiten sich auf das Schlimmste vor, Nachrufe sind vorgeschrieben.

Donald Trump war immer auch eine Nachricht, doch seit er zum zweiten Mal US-Präsident ist, macht er sie: mal schnell die Landkarten in Nahost neu zeichnen, ratzfatz die USA im Ukraine-Krieg die Seite wechseln lassen, im Handumdrehen den Freiheitshelden Selenski in einen «Diktator» umdeuten, der «schreckliche Arbeit geleistet» hat. Morgen kann alles wieder anders sein. Neue Nachricht!

Der andere Dauergast in der «Tagesschau»: Donald Trump.
Bild: ARD

Der Papst und der US-Präsident sind zwei der mächtigsten Männer der Welt. Der Job des Papstes war schon immer global. Neu ist, dass sich auch der US-Präsident als Chef der ganzen Welt versteht.

Trotz dieser Parallelen und obwohl das 88-jährige Oberhaupt der Kirche und das 78-jährige Oberhaupt der Weltpolitik in etwa derselben Generation entstammen, zeichnen sie in diesen Tagen den grösstmöglichen Kontrast. Der Papst zeigt seine Verletzlichkeit – und Trump, dass Verletzen sein wichtigstes Machtinstrument ist.

Franziskus lässt Details zu seiner Kurzatmigkeit verbreiten, und eine prominente Besucherin – Giorgia Meloni – darf Einzelheiten zu seinem Zustand kommunizieren. So macht er sich demonstrativ schwach.

Donald Trump seinerseits inszeniert sich als unverwundbar und verleumdet Selenski, um dessen Verhandlungsposition zu unterminieren. Auf Social Media lässt er eine Fotomontage von sich veröffentlichen: Trump mit Krone, darunter – tatsächlich – der Satz: «Long live the king.»

Trump, der Unsterbliche? Trump, der Erlöser? Das öffentliche Leiden und die Demut des Papstes sehen daneben wie ein subversives Gegenprogramm aus.