Iberische Halbinsel

Ermittler bergen Fahrdatenschreiber nach Bahnunglück in Spanien

Die Aufzeichnungsgeräte aus beiden Zügen sollen nun ausgewertet werden. Im Zentrum stehen die Geschwindigkeit beim Zusammenstoss und der mögliche Ausfall des Zugsicherungssystems LZB.

Nach dem schweren Bahnunglück in Spanien mit mindestens 69 Todesopfern haben Ermittler die Fahrdatenschreiber der Züge aus dem Wrack geborgen. Die Aufzeichnungsgeräte, die wichtige Informationen über die Fahrten registrieren, befinden sich nun in den Händen der Polizeieinheit Guardia Civil, wie die unabhängige Behörde für die Untersuchung von Unfällen (AITAT) Medienberichten zufolge mitteilte. Die Daten sollen demnächst ausgewertet werden.

Bei dem Unglück waren am Mittwochmorgen zwei Hochgeschwindigkeitszüge kollidiert: Ein Zug der staatlichen Bahngesellschaft Renfe fuhr von hinten auf einen stehenden Zug des privaten Unternehmens Iryo auf. Zu dem Unfall kam es in Urda in der Provinz Toledo, rund 130 Kilometer südlich von Madrid.

Mögliche Geschwindigkeit von bis zu 200 Kilometern pro Stunde

Laut der Unfall-Untersuchungsbehörde ereignete sich der Zusammenstoss bei einer Geschwindigkeit, die auf 160 bis 200 Kilometer pro Stunde geschätzt wird. Die genaue Geschwindigkeit werde man allerdings erst nach Auswertung der Aufzeichnungen kennen. Die Ermittlungen befänden sich in einem frühen Stadium. «Die Ergebnisse der Untersuchung werden zu gegebener Zeit im Abschlussbericht dargelegt werden», hiess es von der Behörde.

Im Zentrum der Ermittlungen stehen der Ausfall des älteren Zugsicherungssystems LZB sowie mögliche Fehlentscheidungen der Bahnleitstelle in Madrid. Medien veröffentlichten Mitschnitte des Funkverkehrs, denen zufolge der Lokführer eines Hochgeschwindigkeitszuges von einem Mitarbeiter der Bahnleitstelle angewiesen wurde, den «normalen Fahrbetrieb» wieder aufzunehmen, obwohl das automatische Zugsicherungssystem noch nicht wieder funktionierte und der andere Zug noch auf der Strecke stand. (dpa)

Mehr zum Thema: