Im Schicksal eines sechsjährigen Mädchens spiegelt sich das ganze Ausmass der menschlichen Tragödie des schweren Zugunglücks in Spanien wider. Nach dem Zusammenprall von zwei Hochgeschwindigkeitszügen bei der Gemeinde Adamuz irrte die Kleine zwischen den Trümmern herum, bis sie von zwei Ersthelfern in Sicherheit gebracht wurde, wie die spanische Zeitung «El País» berichtete.
Während zunächst noch Hoffnung bestand, dass auch ihre Eltern, ihr zwölfjähriger Bruder und ihr Cousin überlebt haben könnten, gab es später traurige Gewissheit. Sie waren in den Trümmern eines der verunglückten Züge ums Leben gekommen.
Zuerst gab es Hoffnung, auch der Bruder hätte überlebt
Die Grossmutter des Mädchens wartete auf dem Bahnhof von Huelva, wohin der verunglückte Renfe-Zug unterwegs war, auf Nachrichten von ihren Angehörigen. Zeitweise habe es das Gerücht gegeben, auch der Bruder habe überlebt und werde in einem Krankenhaus in Córdoba behandelt. Dabei handelte es sich jedoch um eine Verwechslung, wie die Zeitung schrieb. Die Grossmutter konnte nur noch ihre Enkelin in die Arme schliessen.
Die Familie stammte aus dem Ort Aljaraque und betrieb ein Bekleidungsgeschäft im nahe gelegenen Küstenort Punta Umbría. Sie befanden sich auf dem Rückweg aus Madrid, wo sie ein Fussballspiel von Real Madrid besucht hatten, berichtete die Zeitung weiter. Der Bürgermeister von Punta Umbría, José Carlos Hernández, sagte, der ganze Ort sei «tief erschüttert». Die Familie sei sehr beliebt gewesen.
Bis zu 43 Tote befürchtet
Die Behörden befürchteten, dass bei der Kollision am Sonntagabend von zwei Hochgeschwindigkeitszügen bis zu 43 Menschen ums Leben gekommen sind. Bisher wurden 41 Tote aus den Trümmern geborgen, zwei gelten noch als vermisst. Mehr als 170 Menschen wurden verletzt. Nach Angaben des Auswärtigen Amts (AA) in Berlin ist davon auszugehen, dass auch Deutsche unter den Betroffenen sind. Über die Anzahl gebe es jedoch noch keine verlässlichen Angaben.

Angehörige beklagen schleppende Informationen über Opfer
Die Identifizierung der Opfer gestaltete sich schwierig. Grande-Marlaska sagte am Montagabend, es seien bis dahin sieben Todesopfer identifiziert worden. Die Behörden baten Familien um DNA-Proben, um die Identifikation zu beschleunigen. Im Fernsehen beklagten Angehörige mangelnde und nur schleppende Informationen über das Schicksal von Vermissten. Die Polizei setzte Suchhunde ein, um die verunglückten Waggons auf mögliche weitere Opfer zu überprüfen.
Experten rätseln noch über die Unfallursache
Die Polizei veröffentlichte ein Video, in dem eine gebrochene Schiene zu sehen war. Verkehrsminister Óscar Puente betonte, es müsse geprüft werden, ob der Schienenbruch Ursache oder Folge des Unfalls sei. Gesicherte Erkenntnisse über den Grund für die Katastrophe könnte es den Angaben zufolge erst in Wochen oder auch Monaten geben.
Das spanische Königspaar reiste zum Unglücksort und traf Angehörige und Rettungskräfte. König Felipe VI. und Königin Letizia waren vorzeitig aus Athen zurückgekehrt, wo sie an der Beisetzung von Irene von Griechenland, der Schwester der spanischen Altkönigin Sofía, teilgenommen hatten.
(dpa)

