
Ein Auto in Flammen, zertrümmerte Schaufenster, brennende Barrikaden. Vermummte, die Polizisten mit Steinen, Flaschen und Feuerwerk angreifen. Die Bilder und Videos aus Zürich und – in kleinerem Ausmass – aus Basel erinnern unweigerlich an jene aus Paris und anderen europäischen Städten.
So funktioniert unser Kopf: Er sucht Muster, verknüpft Dinge, die wir im Fernsehen und auf Social Media sehen. Schwappt die Jugendrevolte aus Frankreich in die Schweiz?
Schon vor «Paris» brannte es in Zürich
Was dieses Wochenende passiert ist, ist jedenfalls kein Beleg dafür. Leider ist Gewalt – auch gegen die Polizei – insbesondere in Zürich kein neues Phänomen. Nur findet sie meist wenig Beachtung. Vor wenigen Wochen flogen am Zürcher Hardplatz Pflastersteine, Flaschen und Feuerwerkskörper gegen Polizisten. Auch im Umfeld von Fussballspielen kommt es immer wieder zu ähnlichen Szenen, just am Samstag auch nach dem Zürcher Eishockey-Derby (ein verletzter Polizist). Es braucht keinen Funken aus Paris, damit Zürich Ausschreitungen erlebt.
Einige Krawallmacher versuchen, eine Linie von Paris in die Schweiz zu ziehen. «On en a marre – en Suisse aussi!» – «Wir haben die Schnauze voll – auch in der Schweiz!», lautete ein Motto. Dazu kamen «Fuck the rich», Antifa- und Palästina-Parolen. Politische Versatzstücke inmitten blinder Gewalt- und Zerstörungswut.
Das sind kaum die Anfänge einer importierten Revolte. Am Werk sind vielmehr die üblichen gewaltbereiten Kreise, darunter Linksautonome, sowie Trittbrettfahrer. Sie leihen sich Parolen und Ästhetik des Aufstands in Frankreich und anderswo aus, um ihrer Randalier-Lust einen politischen Anstrich zu geben.
In Zürich griff ein Mob sogar eine Polizeipatrouille an, die einem verletzten Teenager helfen wollte. Die selbsterklärten Weltverbesserer entpuppen sich als dumpfe Steineschmeisser. Wer die eigene Stadt demoliert, ohne auch nur sagen zu können, was danach anders oder besser sein soll, übt keinen Protest aus. Er leistet sich Randale als dekadenten Luxus.
