Zentralbanken

Inflations-Ängste: Die Zinsen ziehen global weiter an

Weltweit kommt es zum «Anleihen-Ausverkauf», während die Zinsen steigen. Die Schweiz ist die grosse Ausnahme und doch betroffen.

In den USA wie in der Eurozone macht gerade das Wort vom «Anleihen-Ausverkauf» die Runde. Dahinter steht die immer gleiche Kausalkette.

Der Iran-Krieg hat die Energiekosten in die Höhe getrieben. Die Inflation steigt deshalb an oder droht, länger als erwartet hoch zu bleiben. Die höhere Inflation veranlasst wiederum die Investoren dazu, mit weiteren Leitzinserhöhungen durch die Zentralbanken zu rechnen.

Steigen künftig die Zinsen, werden bereits gehandelte Staatsanleihen weniger attraktiv, deshalb verkauft - und ihre Preise fallen. Das ist der «Anleihen-Ausverkauf». Die Gegenbewegung dazu ist, dass die nun günstigeren Staatsanleihen eine höhere Rendite abwerfen.

In der Eurozone ist die Inflation zuletzt deutlich gestiegen. Während sie im Juli noch 2,9 Prozent betrug, lag sie laut der ersten Schätzung des Statistikamts Eurostat im August bei 3,3 Prozent. Das ist der höchste Stand seit 2023, als die Corona-Inflation allmählich nachliess.

Nur ein Tropfen auf den heissen Stein

Die Märkte gehen nun davon aus, dass die Europäische Zentralbank nächste Woche ihren Einlagensatz um einen Viertelprozentpunkt erhöht, auf neu 2,5 Prozent. Die Renditen auf zehnjährige deutsche Staatsanleihen sind prompt auf 3,36 Prozent gestiegen – den höchsten Stand seit April 2011.

In den USA hat die Inflation zuletzt zwar leicht nachgelassen. Doch mit 3,4 Prozent verharrt sie noch immer weit über dem Zielwert der US-Notenbank Fed, der bei 2 Prozent liegt. Schlimmer noch: Die Fed verfehlt die 2-Prozent-Marke nun schon seit über 5 Jahren.

Der neue Fed-Chef Kevin Warsh hat signalisiert, dass Leitzinserhöhungen notwendig werden könnten. In den USA zeigt sich dies vor allem bei den Renditen auf 30-jährige Staatsanleihen, welche nahe bei 5 Prozent liegen - so hoch wie seit fast zwei Jahrzehnten nicht.

Offenbar haben die Interventionen von US-Finanzminister Scott Bessent nichts bewirkt. Bessent hatte versucht, den Ausverkauf zu bremsen, indem er US-Staatsschulden kaufte. Ein Händler tut diese laut der Nachrichtenagentur «Bloomberg» jedoch ab als «Tropfen auf den heissen Stein».

Die Schweiz ist bisher die sichere Insel im Inflationssturm. Die Inflation ist hierzulande moderat geblieben, weshalb die Schweizerische Nationalbank ihren Leitzins voraussichtlich später im September bei null Prozent belassen kann.

Dennoch erreicht der Sturm die Schweiz: Weil die Zinsen in der Eurozone steigen, in der Schweiz aber tief bleiben, wird der Euro gegenüber dem Franken stärker. Seit dem März hat er um fast 4 Rappen zugelegt.

Und die Zinsen werden auch hierzulande hochgezogen, wenn auch weniger als in der Eurozone. Im Vergleich zu Ende Februar, also vor Ausbruch des Iran-Kriegs, liegen sie mit zuletzt 0,51 Prozent fast doppelt so hoch.

Mehr zum Thema:

Mehr zum Thema:

Mehr zum Thema: