
Er spreche so oft davon, dass sein Präsident, also US-Präsident Donald Trump, ein «Menschenfreund» sei. «Aber Sie, Sir, Sie sind ebenfalls ein Menschenfreund. Und ich gratuliere Ihnen dazu!» – mit diesen Worten reagierte Steve Witkoff, der US-Sondergesandte für die Ukraine, auf die Freilassung des US-Bürgers Stephen Hubbard durch Russlands Machthaber Wladimir Putin. Der heute 74-jährige pensionierte US-Lehrer wurde 2022 von russischen Soldaten in seinem Haus in der Ostukraine verhaftet und zwei Jahre später wegen angeblicher Söldnertätigkeit für die Ukraine zu einer langen Haftstrafe verurteilt. Hubbard bestritt diese Vorwürfe stets, die USA halten sie für erfunden.
Trump dankte Putin daraufhin ebenfalls in einem Beitrag auf seinem Online-Dienst «Truth Social»: «Stephen ist auf dem Weg nach Hause und wird bald bei seiner Familie sein.» Hubbard sei «aus Respekt für Präsident Trump» freigelassen worden und die USA hätten dafür keine Gegenleistung erbringen müssen, so Trump.

Trump: Krieg längst vorbei, wäre Russland nicht «falsch abgebogen»
Aber auch beim eigentlichen Hauptthema des Treffens von Witkoff mit Putin in Sankt Petersburg gab es Bewegung. Putin erklärte sich grundsätzlich bereit, die trilateralen Gespräche zwischen Russland, den USA und der Ukraine wieder aufzunehmen. Diese sollen nach dem 10. November beginnen und würden sich auf den «Aufbau eines Sicherheitssystems für Russland und die Ukraine nach Ende des Konflikts» konzentrieren, so Putins aussenpolitischer Berater Juri Uschakow im Anschluss an das rund dreistündige Gespräch.
Am Tag zuvor hatte sich Witkoff bereits im norwegischen Oslo mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenski getroffen. Welche neuen Friedensvorschläge dabei besprochen wurden, war zunächst nicht klar. In einem Interview mit Trumps Lieblingssender «Fox News» machte Selenski aber deutlich, dass die Ukraine ein Einfrieren des Krieges entlang der aktuellen Frontlinie akzeptieren würde. Putin hatte dagegen wiederholt den vollständigen Rückzug der Ukraine aus dem Donbass verlangt – also auch aus Gebieten, die Russland bislang nicht kontrolliert.
Wie stark der Druck der USA auf Selenski in den vergangenen Tagen geworden ist, machte Trump bei einem Gespräch mit Reportern am Dienstag im Oval Office erneut deutlich. «Wir wollen, dass Selenski einen Deal macht», sagte Trump. Er wiederholte dabei auch seine Behauptung, dass die Ukraine den Krieg im Februar 2022 «innerhalb eines Tages» verloren hätte, wenn nicht «ein dummer russischer General» auf dem Weg nach Kiew «falsch abgebogen» und mit seinen Panzern im Schlamm stecken geblieben wäre. Russland habe im Gegensatz zur Ukraine unbegrenzte Reserven an Soldaten und rücke unaufhaltsam vor. Deshalb sei es jetzt Zeit für Selenski, einen Deal zu machen, so Trump.
Solche Äusserungen nähren in Europa den Verdacht, dass Washington die Ukraine zur Kapitulation zwingen will. Offen ausgesprochen hat dies die EU-Aussenbeauftragte Kaja Kallas am Dienstag im EU-Parlament in Strassburg: «Amerikanische Unterhändler versuchen seit rund eineinhalb Jahren, die Ukraine zur Kapitulation zu bewegen.» Es sei der Unterstützung Europas zu verdanken, dass dies die Ukrainer bisher nicht tun mussten. In Berlin sagte der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz am Rande eines Wirtschaftsforums: «Wir leisten der Ukraine keine Unterstützung, um diesen Krieg in die Länge zu ziehen.» Aber eine Kapitulation oder gar eine bedingungslose Kapitulation der Ukraine komme nicht infrage, so Merz.

